Sport : "Würde auch bezahlen"

Sven Simon

Weltweit freuen sich viele junge Basketballfans darüber, dass Michael Jordan wieder Körbe in der NBA wirft. Damit können sie den größten Sportler des Medienzeitalters zumindest im Fernsehen noch einmal live erleben und müssen sich nicht mit den vielen Highlight-Videos der Nummer 23 begnügen. Alle 82 Spiele seines Teams sind lange ausverkauft. Einer seiner, nach eigener Aussage, größten Fans wird seinem Idol heute näher kommen, als er es sich jemals erträumt hat. Heute nacht treten die Washington Wizards bei den Dallas Mavericks an (ab 2.30 Uhr live bei Premiere). Damit spielt Dirk Nowitzki zum ersten Mal gegen Michael Jordan.

Als Jordan im Herbst 1984 erstmals in der NBA für die Chicago Bulls das Parkett betrat, war Nowitzki gerade sechs Jahre jung. Der Würzburger kam 1998 in die beste Basketball-Liga der Welt, da hatte Jordan gerade, - angeblich unwiderruflich - seinen Rücktritt erklärt. "Als Jugendlicher war Jordan mein Idol", sagt Nowitzki. Für den 38-jährigen Rückkehrer in die NBA ist es heute ein Spiel wie jedes andere, für den einzigen deutschen Basketballer in der NBA nicht. "Ich war der größte Chicago-Bulls-Fan, den es gab. Natürlich habe ich versucht, so viel von Michael anzuschauen wie ich konnte, außerdem hatte ich ein großes Poster von ihm in meinem Zimmer hängen. Heute trage ich immer noch ab und zu seine T-Shirts unter meinem Jersey", sagt der 23-jährige Nowitzki. Die Sportschau des ARD schickt extra ein Kamerateam zu diesem Duell.

Unmittelbar gegeneinander spielen werden die beiden allerdings nicht, da sie auf verschiedenen Positionen spielen. Nowitzki spielt im Gegensatz zu Jordan näher am Brett. In dieser Saison auch sehr erfolgreich: Er holt die meisten Rebounds (8,8) in seinem Team und macht die meisten Punkte (24,3). Überhaupt werfen acht Spieler mehr Körbe in der Liga. Die Mavericks stehen im Westen auf dem fünften Platz und haben sich für die Play-offs Großes vorgenommen.

Dahin wollte Jordan mit den Wizards auch, doch nach sechs Siegen aus 18 Spielen sieht es danach aus, als ob es auch in dieser Saison nicht dafür reichen sollte. Nur vier Klubs haben eine schlechtere Bilanz. Jordan wirft mehr als jeder andere Spieler der Liga, genau wie früher. Leider verfehlt er den Korb aber auch öfters als früher bei den Chicago Bulls. Am Dienstag setzte er erstmals seit dem fünften März 1993 ein Spiel aus. Sein Knie ist entzündet und musste punktiert werden, um Gewebeflüssigkeit abzusaugen.

Jordan, der im Schnitt 38 Minuten auf dem Parkett steht, will sich jetzt mehr Pausen geben: "Mein Körper sendet mir Signale, auf die ich eben hören muss." Nowitzki lässt sich davon nicht blenden: "Mike ist Mike. Er ist immer noch unglaublich und einer der besten Spieler in der Liga. Vielleicht ist er nicht mehr ganz so spektakulär wie früher, aber ich würde auch bezahlen, um ihn spielen zu sehen." Zumindest das Eintrittsgeld kann er sich heute sparen. Es könnte allerdings sein, dass der Würzburger Lehrgeld zahlen muss, denn an manchen Tagen kann der alte Mann den Zauber früherer Tage wieder aufleben lassen. So im November, als Michael Jordan den Utah Jazz 44 Punkte servierte.

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