Sport : Wunder vollbringen in Fernost

Warum Josef Capousek Kanucoach in China wird

Frank Bachner

Berlin - Die Sache mit der Wohnung haben die Chinesen geklärt. Josef Capousek zieht in eine schöne Unterkunft, irgendwo in Peking. Chinas Nationales Olmpisches Komitee hat sie besorgt und den bürokratsichen Kram erledigt. Der Kanutrainer Capousek muss sich jetzt nur noch entscheiden, wann er genau einzieht. Irgendwann zwischen dem 27. Februar und dem 3. März fliegt er nach Peking. Noch wichtiger ist ein anderer Termin. Der 1. April 2005. Dann beginnt sein neuer Job, Chef-Bundestrainer der chinesischen Kanu-Nationalmannschaft. Er hat dann vieles hinter sich gelassen. 25 Jahre Arbeit beim Deutschen Kanu-Verband, davon 16 Jahre als Chef-Bundestrainer, eine sportliche Vergangenheit mit rund 160 Medaillen bei internationalen Meisterschaften, darunter 17 Olympiasiege. Eine gerade zerbrochene, zwölfjährige Beziehung mit der Ausnahmekanutin Birgit Fischer. Jetzt ist er 59, er kann in Deutschland eigentlich nur noch verlieren. Und in China nur noch gewinnen. Deshalb, und wegen der Trennung von Fischer, geht er. Das Angebot lag schon länger vor.

In China soll er Wunder vollbringen, ein bisschen jedenfalls. Peking richtet 2008 die Olympischen Spiele aus, und für China, sagt Capousek, zählen nur Goldmedaillen. Auch im Kanu, obwohl es kaum chinesische Spitzenfahrer gibt. Aber die soll ja Capousek ausbilden. Er hat zwar „unheimlich gute Vorgespräche geführt“, aber seinen Arbeitgebern klar gemacht, „dass sie etwas mehr wollen, als möglich ist.“

Möglich sei eine Goldmedaille, sagt Capousek. Im Frauenbereich vielleicht, aber vielleicht auch eine im Canadier. Schließlich habenYang Wenjun und Meng Guanliang in Athen Gold im Zweier-Canadier gewonnen. Und „Yang Wenjun ist ein Talent“, sagt Capousek. Das ist sein höchstes Lob. Das sind Leute, die im Boot alles können. Die anderen sind für ihn „Arbeiter“.

Gold, das ist Capouseks größtes Ziel. Ein kleineres Ziel lautet so: „Ich will in allen Klassen Boote zu den Olympischen Spielen führen.“ In allen? „Ja, ich weiß, das ist sehr schwer“, sagt er. In China steigen viele Athleten erst mit 16 Jahren ins Boot, weil sie vorher in anderen Sportarten nicht weiterkamen. „Aber dann wird es schwer, die Technik zu lernen“, sagt Capousek. Andererseits setzt der Trainer einfach auf die Masse: „Bei 1,3 Milliarden Chinesen wird man ja wohl 18 Paddler finden.“

Capousek hat bis jetzt noch immer keinen Überblick über seinen Kader. Er weiß nur, dass „die alle athletisch sehr gut sind“. Den Rest muss er mit seiner Erfahrung machen. Die Chinesen haben zwar bei Regatten stundenlang die Konkurrenz gefilmt, „aber man muss das Material ja auch auswerten“, sagt Capousek. Doch die Analyse ist eine Schwachstelle in China. Die Zahl der Trainer offenbar auch. Capousek hat in China „viele Assistenztrainer, zu viele“. Er muss erst einmal sehen, mit wem er arbeiten will.

Mit denen reist er dann zu den beiden Trainingszentren, die für Kanuten bereit stehen. Nur zwei, in anderen Sportarten sind es erheblich mehr. Aber dafür ist genügend Geld vorhanden. Trainingslager im Ausland sind kein Problem. Und so kommt Capousek im Sommer wieder problemlos nach Hause. Auf die WM bereitet sich Chinas Team in Deutschland vor. Vier Wochen lang.

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