Sport : Wunderbare Wochen

Mit militärischer Disziplin machen sich die Bayern unter Trainer Felix Magath für ihre Jagd auf Titel fit

Daniel Pontzen[München]

Werner Leuthard hat einen hübschen Spitznamen erhalten, Drill Sergeant haben ihn die Bayern-Fans getauft, und tatsächlich klingt jene Bezeichnung angemessener als Konditionstrainer, wie der Mann sonst verniedlichend genannt wird.

Als Gebirgs- und Fallschirmjägeroffizier war Leuthard, der schon beim VfB Stuttgart unter Felix Magath arbeitete, einst für die Bundeswehr im Einsatz, ehe er in Bad Gögging ein Sportzentrum eröffnete und damit begann, Spitzensportler wie Steffi Graf in Hochform zu bringen. Die Erfahrungen, die er beim Militär sammelte, seien ihm dabei durchaus nützlich. „Eine feste Organisation muss es eben geben“, sagt Leuthard und findet, da könne „man einen hervorragenden Transfer herleiten“.

Bei den Bayern hat er inzwischen für die wichtigsten Grundlagen im Ausdauer- und Schnellkraftbereich gesorgt, „sehr leistungswillig“ hätten sich die Profis gezeigt. Er habe bestimmte Ziele gesetzt, und diese, führt Leuthard in einem Tonfall an, der nicht zu Widerworten ermuntert: „Diese Ziele werden wir auch erreichen.“

Felix Magath hat nichts dem Zufall überlassen. Ausgestattet mit dem Auftrag, der Mannschaft die Sattheit der letzten Jahre ordentlich auszutreiben, ist der ehemalige Stuttgarter Anfang des Monats angetreten, und bislang läuft alles nach seinem Geschmack. „Das waren wunderbare erste drei Wochen“, sagte Magath in einem ersten Fazit, wenngleich zu vermuten ist, dass manchem Spieler auch andere Adjektive einfallen würden, um die bisherige Vorbereitung zu beschreiben.

Magath quält nicht, er lässt quälen, kommentierten Zaungäste am Trainingsgelände in garstigem Zynismus die Zeitenwende an der Säbener Straße (was indes schon deshalb falsch ist, weil Magath oft genug selbst das Kommando übernimmt, etwa beim keineswegs allseits beliebten Zirkeltraining).

Befürchtungen, dem Münchner Starensemble sei der harte Kurs nicht so einfach überzustülpen, scheinen unbegründet. „Die Mannschaft zieht sehr gut mit“, sagt Magath zufrieden und zugleich wenig überrascht, „was das Standing der einzelnen Spieler betrifft, ist es im Vergleich zu Stuttgart sehr ähnlich. Der VfB hat zur Europameisterschaft vergleichbar viele Spieler entsandt wie Bayern.“ Entscheidender Unterschied zu seinem alten Arbeitgeber ist für Magath, dass Erfolg in Form von Titeln nicht willkommenes Extra, sondern kalkuliertes Ergebnis ist.

Mit rund 26 Millionen Euro haben die Bayern so viel investiert wie der Rest der Liga zusammen. Während Außenverteidiger Andreas Görlitz (1860, 2,5 Millionen Euro Ablöse) sowie die Stürmer Vahid Hashemian (Bochum, 2 Millionen) und Jose Paolo Guerrero (eigene Amateure) als wertvolle Ergänzungen zu werten sind, sollen Lucio (Leverkusen, 12) und Torsten Frings (Dortmund, 9) Abwehr und Mittelfeld auf Anhieb veredeln. Frings, den Magath in Bremen einst auf die Tribüne setzte, weil er „zu wenig aus seinen Möglichkeiten“ gemacht habe, steht nun gewissermaßen als Paradeexemplar der neuen erfolgshungrigen Bayern.

Warum er nach München gekommen sei, wurde er Freitag nach seinem ersten Arbeitstag gefragt. „Um Titel zu gewinnen. Ist doch klar.“ Am Montag kehren mit Oliver Kahn und Michael Ballack – der nun angeblich Kahn als Spielführer ablösen soll – die letzten deutschen EM-Teilnehmer heim. Ihnen hatte Magath Sonderurlaub gewährt, genau wie Roy Makaay, der noch bis Mittwoch frei hat. Ansonsten fehlt vor allem noch Stürmer Pizarro, der sich bei der Copa America schwer am Kopf verletzte und operiert werden musste. Auch Lucio und Sagnol sind noch verletzt und können die USA-Reise der Bayern vom 22. bis 26. Juli nicht mitmachen.

Wie groß die Vorfreude der noch nicht in München weilenden Kicker ist, ließ sich einem Telefonat entnehmen, das Roy Makkay während seines Familienurlaubs in Portugal führte. Makaay hatte Zeitung gelesen und beunruhigt in der Geschäftsstelle der Bayern angerufen. „Ist das Training wirklich so hart, wie es in den Zeitungen steht?“ Leider konnte ihm niemand Entwarnung geben.

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