Sport : Wundern an der Weser

Die Bremer rätseln, warum sie nicht mehr gewinnen

Steffen Hudemann[Bremen]

Thomas Schaaf ist derzeit so leicht auszurechnen wie der berühmte Pawlowsche Hund. Es gibt Fragen, auf die der Trainer von Werder Bremen freundlich antwortet. Und es gibt zwei Fragen, auf die er genervt mit den Augen rollt und Antworten gibt wie: „Dass es Ihnen nicht langweilig wird, jede Woche das Wetter abzufragen.“ Die eine Frage lautet: Ist die Meisterschaft jetzt verloren? Die andere: Was ist mit Miroslav Klose los?

Dass diese Fragen in Bremen derzeit häufiger gestellt werden als andere, liegt nicht an der fehlenden Phantasie der Fragesteller, sondern daran, dass die Mannschaft von Schaaf sie Woche für Woche aufwirft. Klose scheint zurzeit jenem Spieler näher, der 2004 verschüchtert und ohne Selbstvertrauen aus Kaiserslautern kam, als dem, der durch seine Torgefährlichkeit, Ballgewandtheit und Kombinationsstärke zum begehrtesten Profi der Liga wurde. Die ganze Mannschaft spielt so leichtfüßig und variabel wie Tischfußballmännchen an der Stange – das 0:2 gegen den Hamburger SV war nun schon die dritte Niederlage in der Bundesliga in Folge. Werder hat sich in Lichtgeschwindigkeit aus dem Titelrennen verabschiedet. Klose ist nicht allein schuld an der Misere, aber es kann kein Zufall sein, dass sein Tief und das von Werder Bremen zusammentreffen.

Werder fehlt derzeit der Spieler, „der die fehlende Leichtigkeit vielleicht mal durch einen Geistesblitz ausgleichen kann“, wie Sportdirektor Klaus Allofs sagt. Klose hingegen fehlt eine Mannschaft, die ihn in gute Positionen bringt. „Es hapert an der Bewegung, am Verschieben“, sagt Klose. „Wir sind immer ein bis zwei Sekunden zu langsam und haben dadurch zu viele Ballverluste.“ Solche Spiele kann es geben. Eine gute Mannschaft gewinnt sie trotzdem. „Heute hatte man weder bei Hamburg noch bei uns das Gefühl, dass ein Tor fallen würde“, sagte Allofs. „Da muss man vielleicht mal hoffen, mit einer Standardsituation das 1:0 zu erzielen.“ Genau das tat aber der HSV.

Das Problem ist nicht, dass die Bremer das Spiel schön reden würden. „Eine Katastrophe“, urteilte Torsten Frings. Und Klose sagte: „Heute lag es nicht am Platz, an den Verletzten oder am Schiedsrichter. Heute waren allein wir verantwortlich.“ Sie bemühen sich um Sachlichkeit. „Es hilft ja nichts, wenn ich Türen eintrete“, sagt Schaaf. Das Problem ist, dass sie Fragen stellen, aber keine Antworten haben. Auch der kompetenteste Spielanalytiker in den Reihen der Bremer, Klaus Allofs, kann auf bestimmte Fragen nur mit den Schultern zucken. Warum Klose so schwach spielt, weiß auch der ehemalige Nationalstürmer Allofs nicht. „Das ist manchmal schwer zu erklären“, sagt er. „Wir können jetzt alle möglichen Gründe heranziehen. Der verletzte Daumen, die Sorge um die Zukunft, was weiß ich.“ Ganz offensichtlich fehlt es an Selbstvertrauen. Gegen Hamburg erreichte Klose in der ersten Halbzeit eine gute Flanke. Man konnte beobachten, wie er überlegte, ob er den Ball mit dem Kopf spielen oder mit der Brust annehmen sollte. Am Ende sprang ihm der Ball ins Gesicht und Torhüter Frank Rost in die Arme.

Noch gibt Werder die Meisterschaft nicht verloren. „Auch Schalke und Stuttgart können drei Niederlagen passieren“, sagt Allofs. Nur, um davon zu profitieren, müsste Werder bald anfangen, wieder zu gewinnen. Die Spieler, die in der Hinrunde so begeisternd spielten, verstolpern nun die Bälle. Nur Torsten Frings, Per Mertesacker, Naldo und Tim Wiese sind in einigermaßen guter Form. „Es fehlt die Frische im Kopf“, glaubt Allofs. Doch wie soll man Unbeschwertheit trainieren? Es muss schnell etwas passieren in Bremen. Wenn sie nur wüssten, was.

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