Sport : Wundersame Wende an der Weser

Werder Bremen schlägt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League Juventus Turin 3:2

Steffen Hudemann[Bremen]

Als Miroslav Klose zum Warmlaufen einlief, war die Welt im Bremer Weserstadion in hoffnungsfroher Ordnung. Für die meisten der 36 500 Zuschauer im ausverkauften Rund war das Mitwirken des lange Zeit verletzten Stürmers die Grundvoraussetzung dafür, eine halbwegs reelle Siegchance gegen Juventus Turin im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zu haben. Dass die Bremer nach einem aufregenden 3:2 (1:0)-Sieg nicht gänzlich aussichtslos zum Rückspiel am 7. März nach Turin reisen können, lag auch an Klose. Der Nationalstürmer hatte die wichtige Bremer Führung durch Christian Schulz eingeleitet. Als Juventus durch Tore von Nedved und Trezeguet das Spiel zwischenzeitlich gedreht hatte, stand Klose nicht mehr auf dem Feld. Dafür aber schlugen die Bremer mit Toren von Tim Borowski und Johan Micoud in der Nachspielzeit erfolgreich zurück.

Der Bremer Trainer Thomas Schaaf hatte sich bis zum Mittag des Spieltags Zeit gelassen, ehe er sich entschied: Klose wird an der Seite Ivan Klasnic’ spielen. Der in der Bundesliga bisher erfolgreichste Torschütze hatte bis dahin auch in der Champions League ein Viertel aller Bremer Tore erzielt. Gestern jedenfalls begann Klose sehr engagiert. Er war stets anspielbereit und in jedem Bremer Angriff involviert. So brachte er nach gut zwanzig Minuten Torsten Frings in eine schöne Einschussposition. Den Volleyschuss des Mittelfeldspielers konnte Juves Torwart Buffon gerade so zur Ecke klären. Nach dieser Ecke war es Frank Fahrenhorst, der mit einem Kopfball den zweimaligen Welttorhüter prüfte.

Die Bremer taten eine Halbzeit lang das, was sie am besten können: angreifen. Die Mannschaft von Thomas Schaaf spielte mutig nach vorn und brachte die sonst so starke Turiner Defensive manches Mal in Schwierigkeiten. Bremen stürmte nicht nur mit Geschick, sondern auch mit allen zur Verfügung stehenden Kräften. So tauchte sechs Minuten vor der Halbzeitpause Außenverteidiger Christian Schulz vor dem Tor der Italiener auf. Ein Torschuss von Klose wurde von einem Turiner so abgeblockt, dass Abpraller am Bein von Schulz landete und von da ins Tor rollte. Die Führung. Allerdings wussten die Italiener auch um die Anfälligkeit der Bremer in der Abwehr (bis dahin zwölf Gegentore in der Champions League). Insbesondere mit steilen Pässen auf das famose Sturmduo Trezeguet/Ibrahimovic versuchten die Turiner, erfolgreich zu sein. Die Bremer betrieben teilweise in der Defensive ein riskantes Spiel. Da sie den Gegner weit vom eigenen Tor fern halten wollten, spielten sie oft auf Abseits. Zwei- , dreimal ging das schon in der ersten Halbzeit nicht auf, aber da scheiterte Ibrahimovic und Trezeguet noch. Kurz vor dem Pausenpfiff war es Torwart Tim Wiese in seinem ersten Champions-League-Spiel, der Vieira stoppte und den Vorsprung noch retten konnte.

Während Bremen in der ersten Halbzeit den Spitzenwert von 70 Prozent Ballbesitz erreicht hatte, kippten die Spielanteile nun. Juventus investierte mehr. Die Bremer mühten sich zwar um Kompaktheit in der Abwehr, aber als wieder eine Abseitsstellung nicht funktionierte, erzielte Pavel Nedved den Ausgleich. Als dem Bremer Innenverteidiger auch noch eine Fußabwehr missglückte, köpfte Trezeguet die Gäste in Führung. Als sich dann aber die Turiner als sicherer Sieger fühlten, schlugen die Bremer noch einmal zurück. Kurz vor dem Abpfiff gelang dem starken Tim Borowski der Ausgleich. In der Nachspielzeit nutzte Johan Micoud eine Kopfballverlängerung von Patrick Owomoyela nach einer Ecke Borowskis zum 3:2-Siegtreffer. Nach dem Abpfiff kam ein humpelnder Klose auf das Spielfeld und umarmte jeden einzelnen Bremer Spieler.

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