Sport : Wundersamer Weckruf

Hertha BSC kassiert in Bielefeld eine kurioses 0:1 – und spielt noch 2:2

Stefan Tillmann[Bielefeld]

Mit dem Slogan „Träume, Tradition, Leidenschaft“ wirbt der Bundesligist Arminia Bielefeld. Doch auch wenn die Bielefelder Alm längst Schüco-Arena heißt und nun weiter ausgebaut werden soll, sind die Träume der Ostwestfalen immer noch bescheiden. Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick träumt davon, im Jahr 2010 seinen Klub im Mittelfeld der Liga etabliert zu sehen. Hertha BSC hat höhere Ambitionen. Deswegen sollte die zugige, nasskalte Arena der passende Ort sein, um nach sieben Monaten auswärts wieder zu siegen.

Tatsächlich aber konnten die Berliner gestern Abend ihre Serie nicht beenden. Nach einem schwachen Beginn durften sie mit dem 2:2 (1:1) vor 21 075 Zuschauern sogar zufrieden sein. „Wir haben in der ersten halben Stunde gespielt, als ob wir Schlaftabletten eingenommen hätten“, sagte Manager Dieter Hoeneß. In der zweiten Halbzeit zeigten die Berliner dann den Kampf, den Manager Dieter Hoeneß bislang auswärts vermisst hatte. Wäre Hertha von Beginn an so aufgetreten, wäre mehr möglich gewesen. „Wir haben definitiv zwei Punkte verschenkt“, sagte Hoeneß.

Beide Teams engten das Mittelfeld ein und warteten auf Fehler. Den Berlinern gelang kein flüssiger Spielaufbau, Bielefeld wartete auf Konter, die über Sibusiso Zuma und den ehemaligen Herthaner Artur Wichniarek starteten. Hertha blieb ungefährlich. Bielefelds Fans sorgten sich eher um den Verbleib ihres Trainers Thomas von Heesen und besangen die Frisur von Marko Pantelic: „Du hast die Haare schön!“ Beispielhaft für Herthas Harmlosigkeit war ein Freistoß von Josip Simunic, den er aus dem Halbfeld in das gegenüberliegende Seitenaus flankte.

Der kroatische Innenverteidiger war auch am Rückstand maßgeblich beteiligt. In der 29. Minute blieb er im Strafraum stehen und hörte auf zu verteidigen, während Zuma den Ball unbedrängt in den rechten Winkel schlenzte. Der Berliner hatte den Südafrikaner im Abseits gewähnt, Schiedsrichterassistent Volker Wezel hatte aus diesem Grund auch seine Fahne gehoben. Doch der Ball war vom Kopf des Berliners Dick van Burik gekommen, weshalb Schiedsrichter Michael Kempter trotz des Signals seines Assistenten weiterspielen ließ. Simunic zeigte sich später einsichtig. „Das war wie ein Alptraum“, sagte er, „ich sollte wohl morgen zum Augen- und Ohrenarzt gehen.“ Auch Hoeneß sagte: „Da kann ich Simunic nicht verteidigen, wenn der Schiedsrichter nicht pfeift...“

Eigentlich aber profitierten die Berliner auch vom Gegentreffer, denn erst jetzt erwachten sie. „Wenn das 0:1 nicht gefallen wäre, hätten wir das Spiel verloren“, sagte Hoeneß dialektisch. Tatsächlich fiel alsbald der Ausgleich, als Gilberto dem Dänen Jonas Kampa im Strafraum den Ball abnahm und das 1:1 erzielte.

Nach der Pause wirkten die Berliner präsenter. Sie spielten mit, dennoch wirkten die Bielefelder, die zuvor ihre letzten vier Heimspiele gewonnen hatten, zunächst ballsicherer. Mit der ersten Chance der zweiten Halbzeit überraschte Christian Gimenez ein bisschen auch sich selbst, als er in abseitsverdächtiger Position den Ball bekam. Er verwandelte alleine vor dem Bielefelder Torwart Mathias Hain zum 2:1.

Danach wurde das Spiel immer intensiver. Die Berliner konnten die geforderte Charakterprüfung annehmen. Ähnlich wie beim Pokalspiel in Stuttgart ließen sich die Berliner von der giftiger werdenden Atmosphäre kaum beeindrucken – und mussten trotzdem den Ausgleich hinnehmen. Radim Kucera hatte per Kopf nach einer Ecke das 2:2 erzielt. „Wir dürfen so ein Spiel nicht mehr aus der Hand geben“, sagte Herthas Trainer Falko Götz.

In der Endphase spielten beide Teams auf Sieg. Einige Male musste Herthas Torwart Christian Fiedler parieren, sodass die Berliner mit dem Punkt zufrieden sein konnten. Die Bielefelder, die vier Mal in Folge gewonnen hatten, haben den Anschluss an die Spitzengruppe fürs Erste verpasst. Und können sich weiter ans Mittelfeld gewöhnen.

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