Sport : Wundertüte Borussia

Dortmund ist auf der Suche nach neuem Profil

Felix Meininghaus[Dortm]

Wer hat das Sagen im Verein? Nach dem Ende des Größenwahns in der Ära Niebaum/Meier arbeiten Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer HansJoachim Watzke daran, den Schuldenberg von immer noch 90 Millionen Euro abzubauen. Sie haben es geschafft, dem Börsenunternehmen Glaubwürdigkeit zurückzugeben. Dahinter steht mit Florian Homm eine gar nicht graue Eminenz. Der von Mallorca aus agierende Manager hat den Klub mit seinen Millionen vor der Insolvenz bewahrt und hält 26 Prozent der Aktien. Homm, Harvard-Absolvent mit Hang zu starken Sprüchen, wird sich weiter wortgewaltig einmischen.

Was hat sich verbessert? Die Zusammensetzung des Kaders und damit das Gehaltsgefüge. Der BVB hat den Etat für seine Profis von 60 Millionen auf 28 Millionen Euro gedrückt. Teure Mitläufer wie Madouni, Demel, Evanilson, Bergdölmo und Jensen sind weg. Ausfälle können jetzt allerdings kaum kompensiert werden.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Bert van Marwijk hat sich bewährt. In Zeiten des drohenden Untergangs hat der Holländer nie gejammert, sondern mit einer Beharrlichkeit gearbeitet, die ihm Hochachtung eingebracht hat. Zudem kann van Marwijk auf die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte verweisen.

Welche Taktik ist zu erwarten? Der BVB wird das 4-3-3-System bevorzugen, das ihm van Marwijk in der vergangenen Winterpause verpasst hat, und mit dem der sportliche Aufschwung einherging: Vor Torhüter Roman Weidenfeller steht die Viererkette, davor versuchen drei Mittelfeldspieler, die drei Stürmer in Szene zu setzen. Dabei sollen Ebi Smolarek und Neuzugang Delron Buckley wie klassische Außenstürmer agieren, den langen Jan Koller mit Flanken versorgen und nur im Bedarfsfall ins Zentrum rücken.

Welche Platzierung ist möglich? Florian Homm hat – wie es seiner Art entspricht – eine Meisterschaftsprämie von einer Million Euro ausgelobt. Tomas Rosicky sprach vor Wochen von Platz drei und der Champions League. Realistischer scheint die von van Marwijk ausgegebene Zielsetzung „Platz fünf bis zwölf“, weil die jungen Spieler „wie eine Wundertüte sind“, wie es Christoph Metzelder formuliert: „Der Trainer tut gut daran, die Erwartungshaltung zu dämpfen, weil wir unberechenbar sind.“

Wer sind die Stars? Auffallendste Persönlichkeit im Kader des einstigen Weltpokalsiegers ist Christoph Metzelder. Seit der Verteidiger nach langer Verletzungspause zurückgekehrt ist, gilt er in Dortmund als eine Art Heilsbringer.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Wörns und Metzelder waren beim Confed-Cup nicht dabei, gelten aber als gesetzt. Sie könnten die deutsche Hintermannschaft stützen, wenn Robert Huth schwächelt. Sebastian Kehl darf sich zumindest eine kleine Chance ausrechnen.

Wie sind die Fans? Einerseits honorieren sie es, dass die Zeit der überbezahlten Söldner vorbei ist, andererseits wollen sie bald wieder Galanächte gegen Real Madrid und den AC Mailand zelebrieren.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

Morgen: Bayer Leverkusen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben