Sport : Wunsch und Wirklichkeit

Das 2:2 zwischen Schalke und Hannover macht beiden Mannschaften Mut, aber es hilft ihnen wenig

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Im zweiten Versuch hat Ewald Lienen einen ersten Teilerfolg als Trainer von Hannover 96 erreicht. Beim 2:2 in der Arena Auf Schalke beendeten die Niedersachsen eine Serie von vier Niederlagen. Dennoch war Lienen, der vor einer Woche Ralf Rangnick abgelöst hatte, mit dem Ergebnis nicht zufrieden. „Wir haben einen Punkt geholt, aber das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte er. Schon gar nicht nach diesem Spielverlauf. Hannover hatte vor mehr als 61 000 Zuschauern zweimal geführt. Der Schalker Kapitän Ebbe Sand verhinderte mit seinem Ausgleichstreffer in der 84. Minute den ersten Hannoveraner Sieg unter Ewald Lienens Regie. „Wir haben gute Moral gezeigt“, sagte Sand, „aber wir haben nicht gut gespielt.“

Jupp Heynckes, der Trainer des FC Schalke 04, hatte die Startelf, die zuletzt in Frankfurt schwach gespielt hatte, nur auf einer Position geändert. Für Tomasz Hajto rückte Sergio Pinto in die Mannschaft. „Wir haben nicht viele Alternativen, schon gar nicht dort, wo wir sie am nötigsten brauchten“, sagte Heynckes. Schalke musste abermals ohne die verletzten Stammkräfte Rost, Oude Kamphuis, Poulsen, Kobiaschwili und Asamoah auskommen. Doch die Königsblauen sind nicht imstande, fünf Profis dieser Güte gleichzeitig zu ersetzen. Die Hannoveraner begegneten dem ersatzgeschwächten Gegner respektlos und gingen in Führung. Thomas Brdaric schoss gegen den Innenpfosten; von dort kullerte der Ball ins Tor (14. Minute). Nach gut einer halben Stunde gelang den Westfalen ausnahmsweise ein gefährlicher Vorstoß. Pinto kam in eine ähnlich günstige Schussposition wie zuvor Brdaric auf der Gegenseite. Doch es gab einen kleinen Unterschied: Diesmal prallte der Ball vom Pfosten zurück ins Feld.

Durch einen Freistoß von Clint Mathis aus ihrem spielerischen Halbschlaf gerissen, meldeten die Schalker sich in der zweiten Hälfte zurück, bedurften aber fremder Hilfe, um den Ausgleich zu erzielen. Innenverteidiger Per Mertesacker lenkte eine scharf nach innen getretene Flanke von Böhme ins eigene Tor. (63.). Der Abstiegskandidat zeigte sich trotz dieses Rückschlags stabil. Brdaric nutzte einen präzisen Pass von Altin Lala zur abermaligen Führung (71.). Nach Sands Ausgleich verloren die Hannoveraner nicht nur zwei Punkte, sondern auch noch ihren Angreifer Idrissou, den Schiedsrichter Fandel wegen wiederholten Foulspiels mit der Gelb-Roten Karte bestrafte (88.).

Das Unentschieden half beiden Klubs nicht. Den Schalkern fehlen fünf Punkte zu einem Uefa-Pokal-Platz. Statt der von Manager Assauer erhofften neun Zähler aus den drei Partien gegen Freiburg, Frankfurt und Hannover holten sie nur vier. Wer sich für den Europapokal qualifizieren will, „muss seine Heimspiele gewinnen“, sagte Heynckes. „Wenn man dazu nicht in der Lage ist, wirft einen das weit zurück.“ Die Hannoveraner bleiben trotz ansprechender Leistung auf einem Abstiegsrang. Dennoch schöpfte Lienen Mut: „Wenn die Mannschaft mit dieser Einstellung weiterspielt, haben wir alle Möglichkeiten, die Klasse zu halten.“ Das hatte er nach der Heimniederlage gegen Kaiserslautern auch schon gesagt.

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