Sport : Youri Djorkaeff: Ein Ladenhüter mit WM-Titel

Kaiserslautern (dpa). Das Possenspiel beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern um den französischen Welt- und Europameister Youri Djorkaeff geht immer weiter. Am Wochenende hieß es in der Pfalz plötzlich, mit Olympique Marseille sei ein aufnahmewilliger Verein gefunden. Nun sind die Verhandlungen mit den Südfranzosen aber vorerst wieder ergebnislos abgebrochen worden. Fraglich ist allerdings, ob die lose Anfrage aus Marseille überhaupt als Grundlage für ein Transfergespräch zu werten ist. Aber Djorkaeff wird weiter auf den Verhandlungswillen von Marseille setzen müssen, denn seine Chancen auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sinken mit jedem verpassten Spiel immer mehr, seit sich der ausgezeichnete Techniker nach den monatelangen Querelen mit Teamchef Andreas Brehme nur auf der Tribüne wiederfand.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Ausschlaggebend für den jetzigen Stillstand ist die Diskussion über eine französische Eigenart des Transferrechts. Eigentlich ist der Transfermarkt seit vergangener Woche geschlossen. Olympique will den Nationalspieler aber über die so genannte "Joker-Position" holen. Das französische Verbandsrecht räumt jedem Klub nach Ende der Frist die Chance auf die Verpflichtung eines einzigen Nachzüglers ein. Nur haben die Franzosen bereits Pascal Nouma von Besiktas Istanbul verpflichtet. Nun muss geklärt werden, ob Nouma unter die Joker-Regel fällt oder ob sie für Djorkaeff noch frei ist. Hat Marseille das Recht schon in Anspruch genommen, würde Djorkaeff endgültig zwischen allen Stühlen sitzen.

Kaiserslautern möchte den 33-Jährigen, der zum Problemfall geworden ist, gerne abgeben, aber nicht umsonst, sondern für eine Ablösesumme von geschätzt vier Millionen Mark. Der Verkauf wäre für die Pfälzer ein gutes Geschäft, denn der schwierige Spitzenverdiener belastet das Gehaltskonto immerhin mit nahezu 6,5 Millionen Mark jährlich. Doch weder Paris SG noch Olympique Lyon, die von Djorkaeff als angebliche Interessenten ins Spiel gebracht wurden, wollten angesichts des zweifelhaften Rufs des Franzosen zugreifen.

Djorkaeff hat innerhalb von drei Jahren sein Image nachhaltig beschädigt. Bei Inter Mailand fädelte er seinen vorzeitigen Ausstieg mit viel Intrige ein und klopfte die Inter-Bosse weich. Sie ließen ihn für 6,5 Millionen Mark in die Pfalz ziehen, angeblich für ein Handgeld von vier Millionen Mark. Davon will Djorkaeff auch bei einem vorzeitigen Vertragsausstieg bei den Lauterern nichts zurückzahlen - was die Fronten weiter verhärtet.

"Unter Brehme spiele ich nie wieder", hatte Djorkaeff vor Saisonbeginn aus seiner Lyoner Heimat getönt. Davon kann er nun sicher ausgehen, denn Brehme sitzt längst am längeren Hebel. Der Traditionsverein startete mit vier Siegen in die Meisterschaft, so gut wie nie seit Gründung der Bundesliga. Und das alles ohne Djorkaeff, den der Teamchef aufgrund von Konditionsdefiziten allein mit einem Kotrainer durch den Pfälzerwald traben lässt. Mittelfeld-Mann Mario Basler motzt schon gegen den Nebenmann: "Ich glaube kaum, dass wir Djorkaeff unserem Publikum noch einmal präsentieren können." In der Mannschaft selber steigt der Unmut über den als Intrigant verschrienen Techniker, der seinen Rauswurf ganz offenkundig massiv betrieben hat. Allerdings hat er dabei seinen Markwert ganz erheblich überschätzt. Der Franzose nahm sich selbst aus der Schusslinie: Er laboriert an einer Knieverletzung und fehlt in Testspielen.

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