Sport : Zabel befallen Zweifel

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Von Hartmut Scherzer

Bourg-en-Bresse. Lance Armstrong mag Robbie McEwen nicht besonders. Aber es sieht ganz danach aus, als müsste der Amerikaner im Gelben Trikot am morgigen Sonntag auf dem Podium in Paris auf seinen gewohnten Kollegen in Grün an seiner Seite verzichten. „McEwen ist schneller als Erik Zabel. Jeder kann das sehen“, hatte Armstrong am Vorabend in seinem Hotel im kleinen Kreis zum Sprinterduell gesagt. „Von zehn Sprints gewinnt McEwen neun.“ Wie auch beim Massenspurt nach der 176,5 km langen 18. Etappe in Bourg-en-Bresse.

Obwohl Hondo, Aldag und Wesemann den Telekom-Spurt ordentlich für ihren Kapitän Zabel lanciert hatten, spurtete der Australier McEwen auf den letzten 50 Metern wieder an Erik Zabel vorbei. Es ging nicht um den Tagessieg, sondern nur um Platz elf und um den einen Punkt, der den Gleichstand beendete. McEwen trägt das Grüne Trikot nun mit einem Punkt Vorsprung nach dem heutigen Zeitfahren zur letzten Etappe nach Paris.

Erik Zabel, in den letzten sechs Jahren Gewinner des Grünen Trikots, erkennt die Überlegenheit McEwens an. „Man braucht nicht herumzureden: Seit zweieinhalb Wochen ist Robbie ein Stück schneller. Er ist der Fahrer mit der höchsten Endgeschwindigkeit im Feld. Trotzdem liegt er nur einen Punkt vor mir. Ganz so mies kann ich also nicht sein.“ Der schnellste Mann der Telekom räumte ein, man dürfe nun durchaus daran zweifeln, ob es ihm wie im vergangenen Jahr auf den Champs-Elysées noch einmal gelingen wird, den Rückstand wettzumachen.

Tagesschnellster war ein Leidgeprüfter der Tour. Denn Etappensieger wurde jener tapfere Norweger Thor Hushovd, der auf der zweiten Etappe Luxemburg – Saarbrücken von ständigen Krämpfen geplagt worden war, sich aber, total erschöpft, allein durchgekämpft und als Letzter mit 19:22 Minuten Rückstand gerade noch innerhalb des Zeitlimits ins Ziel gerettet hatte. Der 24-jährige sorgte damit doch noch für einen Etappensieg der arg gebeutelten französischen Mannschaft Crédit Agricole, dem Team von Jens Voigt. Hushovd war bereits nach vier Kilometern mit neun gleichgesinnten Außenseitern ausgerissen, darunter der unermüdliche Jörg Jaksche (Once) und zur allgemeinen Überraschung Zabels italienische „Zugmaschine“ Gian-Matteo Fagnini.

An diesem heißen Tag mit einem ständigen Auf und Ab über sieben Anstiege des Jura kam Jaksche am Ende mit 33 Sekunden Rückstand auf Rang fünf. Fagnini rollte mit 40 Sekunden Abstand als Siebter ins Ziel.

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