Sport : Zabel lässt die Beine sprechen

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Von Hartmut Scherzer

Frankfurt. Beim Heimspiel feierte das Team Telekom dank der alten Spurtklasse Erik Zabels einen Heimsieg. Der Weltranglistenerste hatte im Massensprint das beste taktische Gespür, die stärksten Nerven und die kräftigsten Beine, um nach 1999 zum zweiten Mal den deutschen Radklassiker Rund um den Henninger Turm in Frankfurt zu gewinnen. Mit einer Radlänge Vorsprung siegte der 31-jährige Berliner vor dem Belgier Jo Planckaert und dem Russen Sergej Iwanow. „Es war ein klassisches Finale, in dem man ein gutes Hinterrad erwischen und dann vorn bleiben muss. Es hat geklappt“, schilderte Zabel nach seinem fünften Sieg der Saison, dem 153. seiner Karriere, das Finale am Fuße des Bierturms.

Die Sprinter machten das 206,5 km lange Bergrennen mit dem Mammolsheimer Berg (17 Prozent Steigung) als eine Art Tourmalet des Taunus nach genau fünf Stunden unter sich aus. Und die „schnellen Jungs“ der Szene, wie Zabel seine Spurtkonkurrenten nennt, an der Spitze Weltmeister Oscar Freire, waren auch zahlreich vertreten. Gegen die Muskelkraft und den Siegeswillen Zabels auf der 400 Meter langen neuen Zielgeraden Darmstädter Landstraße mit einem leichten Anstieg hatten sie aber diesmal keine Chance. Freire musste sich mit dem vierten Rang, der Aufsteiger der Saison, der Italiener Alessandro Petacchi mit dem fünften Platz begnügen. Der Vorjahrszweite und Kapitän des deutschen Teams Gerolsteiner, Davide Rebellin, wurde Sechster.

Der Triumph des viermaligen Siegers von Mailand – San Remo im letzten bedeutenden Eintagsrennen eines nicht gerade strahlenden Frühlings für das Team Telekom ließ die Farbe Magenta im alten Glanz leuchten. Zabel beschwerte sich denn auch bei den Glückwünschen („Nun lasst die Kirche im Dorf") über den „kritischen Gegenwind“ während der fünf Frühjahrsklassiker.

Das Team Telekom hatte sich denn auch mächtig ins Zeug gelegt, um das Rennen zu kontrollieren, die Flüchtigen beharrlich zu jagen, sie einzuholen und alles für einen Massenspurt vorzubereiten, „für die Variante Zabel“, wie der Sieger die vorgegebene Taktik nannte. Zabel hatte im Finale bis auf Wesemann keinen Helfer mehr zur Seite, war beim Spurt dann ganz allein und auf seinen Instinkt angewiesen. Er habe sich an die Fahrer von Fassa Bortolo (Bartoli, Iwanow, Petacchi) gehalten. „Aber ich hatte Freire und Petacchi am Hinterrad und ein ungutes Gefühl.“ Zabel reagierte jedoch clever, als Iwanow früh den Spurt anzog. „Da bin ich mit und im Schwung an ihm vorbei. Die letzten hundert Meter kamen mir dann wie eine Ewigkeit vor.“

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