Sport : Zähmer des Quarterbacks

Trainer Holmgren führte Seattle zum Super Bowl

Matthias B. Krause

New York - Der Mann sieht gemütlich aus, trägt einen Schnauzer und ist von kräftiger Statur. Mike Holmgren, 57 Jahre alt, Headcoach der Seattle Seahawks, gilt als gutmütiger Mensch und vorzüglicher Football-Lehrer. Doch selbst seine Geduld hat Grenzen. Besonders, wenn sie von Matt Hasselbeck strapaziert wird. Denn der Quarterback des Klubs aus der National Football League (NFL) ist ein schwieriger Fall. „Als Matt vor zwei Jahren zu uns kam, haben wir uns schon die Köpfe eingeschlagen“, sagt Holmgren, „Er wollte nicht auf mich hören, sondern seinen eigenen Weg gehen.“ Beinahe wäre über den Streit von Trainer und Quarterback das Team zerbrochen. Als die hoch gehandelten Seahawks in der Vorsaison in der ersten Play-off-Runde ausschieden, wollte Holmgren gehen. Doch er blieb, und die Seahawks stehen nun am Sonntagabend (0 Uhr MEZ/ARD live) gegen die Pittsburgh Steelers zum ersten Mal im Super-Bowl-Finale.

Hasselbeck war in der Tat ein grobschlächtiger Spieler, als er in Seattle ankam. Zuvor war er bei den Green Bay Packers Ersatz des in den USA inzwischen legendären Brett Favre. Doch Hasselbeck fiel nur durch schlechte Pässe auf. Holmgren, der einst bei den San Francisco 49ers die nicht minder legendären Joe Montana und Steve Young betreute und dann Green Bay mit Favre an der Spitze zum Super-Bowl-Sieg führte, wollte den jungen Mann trotzdem haben. „Matt ist wie Steve Young”, sagt Holmgren, „sehr intelligent, sehr athletisch, aber dickköpfig. Er denkt praktisch immer, dass er Recht hat.” Die Besprechungen arteten so bei Seattle schon einmal in Wortduelle zwischen Hasselbeck und Quarterback- Coach Jim Zorn aus. „Man macht sich keine Vorstellung“, klagte Zorn. „Matt kritzelte wilde Sachen an die Tafel und erzählte mir: Wir müssen dieses anders machen, wir müssen jenes anders machen.“

Des Widerspenstigen Zähmung begann mit der Entscheidung von Teambesitzer Allen, am Ende der vergangenen Saison den Team-Präsidenten Bob Whitsitt zu beurlauben, weil der sich ständig Kämpfe mit Holmgren lieferte. Nun die unumstrittene Autorität, ergänzte der Headcoach sein Team mit erfahrenen Spielern – und plötzlich lief es. Hasselbeck, mittlerweile 30 Jahre alt, beschloss zudem, endlich auf den Trainer zu hören. Statt wilde Pässe zu werfen, suchte er nun die einfachen Gelegenheiten zum Raumgewinn. Manchmal allerdings macht er noch Dinge, die Holmgren verärgern. Wie in der ersten Play-off-Runde gegen Washington, als er loslief, eine Pirouette drehte und dann das Ei sicher in die Hände des Gegners warf. „Ich habe immer noch diese ganz besonderen Momente mit Hasselbeck“, feixte Holmgren danach.

Im Finale wird sich Hasselbeck davon allerdings keinen leisten können. Pittsburghs Verteidigung gilt als gnadenlos. Vom letzten Play-off-Platz kämpfte sich die Mannschaft bis zum Super Bowl in Detroit vor. Das schaffte vorher noch kein Team in der NFL.

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