Sport : Zänkisch fränkisch

Außenseiter Nürnberg will Favorit Mannheim im Finale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft ärgern

Claus Vetter

Berlin - Benoit Laporte wirkt oft ausgeglichen, selten aufgeregt. Doch das täuscht. Der kleine 46 Jahre alte Kanadier mit schütterem Haupthaar und dem dünnen Vollbart kann ungemütlich werden. Das musste unlängst Marco Stichnoth, Manager der Hannover Scorpions, erfahren. Der Trainer der Nürnberg Ice Tigers hatte dem Play-off-Gegner in der Viertelfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga „unfaire Methoden“ vorgeworfen und inszenierte dann nach einem Spiel in Nürnberg ein erbittertes Wortgefecht mit Stichnoth. Anscheinend half Laporte sein Wutanfall: Nachdem die Ice Tigers schon zweimal verloren hatten, besiegten sie Hannover viermal und zogen noch ins Halbfinale ein. Dort bezwangen die Franken überraschend die Düsseldorfer EG und erreichten somit die Finalserie um die deutsche Meisterschaft, wo sie ab heute gegen Adler Mannheim allerdings Außenseiter sind.

Außenseiter? Natürlich Außenseiter, sagt Laporte: „Der Favorit ist für mich Mannheim, das ist die beste Mannschaft der Liga.“ Das ist keine bahnbrechende Erkenntnis, schließlich beendeten die Adler die Hauptrunde klar als Tabellenerster und nach ein paar kleineren Schwierigkeiten und einer Niederlage gegen Viertelfinalgegner Frankfurt marschierten die Badenser locker mit drei klaren Siegen über die Kölner Haie ins Finale. Es wäre verdient, wenn die Adler, das Team mit dem größten Etat der Liga, Meister würden. Aber da stehen noch die Nürnberger im Wege, und die spielen ein wenig so, wie ihr Trainer mitunter sein kann: giftig, zänkisch, unnachgiebig. „Wir kämpfen, kämpfen und geben nie auf“, sagt Laporte. Das mussten die Scorpions und die DEG erfahren: Die Ice Tigers holten etliche Rückstände auf, schossen Tore in letzter Minute und siegten – bis auf eine Ausnahme – in der Extraspielzeit. Dabei sind die Franken eigentlich chronische Play-off-Versager, auch unter Laportes Vorgänger Greg Poss, der jetzt Mannheims Trainer ist. Allerdings konnte auch Laporte, der im Vorjahr aus Augsburg nach Nürnberg kam, den Ruf zunächst nicht aufpolieren – vergangene Saison verabschiedeten sich die Franken wieder mal im Viertelfinale.

Vor dem ersten Finalspiel heute in Mannheim (19.30 Uhr, live auf Premiere) sind bei Nürnberg drei wichtige Spieler verletzt, während es sich Laportes Kollege Poss sogar leisten kann, mit Stephan Retzer, Marcus Kink und Fabio Carciola drei Nationalspieler nicht einzusetzen. Allein mit spielerischen Mitteln werden es die Franken schwer haben, Mannheim in der „Best of five“-Serie zu gefährden – auch wenn Nürnbergs Manager Otto Sykora ankündigt: „Wir spielen offensiv, das wir Mannheim nicht liegen.“ Das muss ein Scherz sein, die Nürnberger werden „arbeiten“ müssen, wie Laporte sagt. Und vielleicht hat der Trainer ja noch einen Trick parat, so wie im Viertelfinale. Da hatte Laporte beim ersten Spiel in Hannover ein Bänkchen zum Draufstellen verlangt, um hinter der Spielerbank einen besseren Überblick zu haben. Das aber habe ihm Hannovers Manager Stichnoth „verwehrt“, erzählte Laporte. Es reichte ihm dann, um ein Spiel später einen Streit anzuzetteln, der laut Augenzeugenberichten in einem Kabinengang der Nürnberger Arena kurz vor der Eskalation stand. Allerdings wohl nur kurz, bevor dann Laporte sein öffentlich-korrektes Gesicht wieder aufsetzte. Schließlich hatten Reporter die Szene beobachtet.

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