Sport : Zartes Selbstvertrauen

Gladbach freut sich über ein 0:0 in Nürnberg

Stefan Hermanns[Nürnberg]

Die letzte Aktion des Spiels stand unmittelbar bevor, da brach bei den 4000 Fans von Borussia Mönchengladbach bereits allgemeine Feierstimmung aus. „Auswärtssieg! Auswärtssieg“, riefen sie. Nur ein letzter Freistoß noch, danach war das Spiel beim 1. FC Nürnberg beendet. Die Gladbacher Profis traten vor die Südkurve und machten mit ihrem Anhang die Welle. Borussia Mönchengladbach hatte in Nürnberg ein 0:0 erzielt.

Es kommt immer auf die Perspektive an, und nach zuletzt bleischweren Wochen sind die Gladbacher zurzeit sehr empfänglich für positive Nachrichten. In der vergangenen Woche ist ihnen der Trainer abhanden gekommen, zwei Tage darauf der Sportdirektor, und der Abstand auf die Abstiegsplätze war zuletzt auf Minimalgröße geschrumpft. „Es hilft der Mannschaft, dass sie nicht gleich das erste Spiel nach dem Neuanfang verloren hat“, sagte der neue Sportdirektor Peter Pander. Und Horst Köppel, im Herbst bereits Trainer Nummer zwei dieser vermaledeiten Saison und nun die Nummer vier, fand die Leistung seines Teams dazu angetan, „dass wir optimistisch in die letzten vier Spiele gehen“.

Optimistisch gesehen haben die Gladbacher den Vorsprung auf die Abstiegsränge verdoppelt – von einem auf zwei Punkte. Pessimistisch gesehen sind sie angesichts des schwierigen Restprogramms in akuter Gefahr. „Uns hilft das Unentschieden nicht so wie den Nürnbergern“, sagte Köppel. Der Club braucht mit nun 35 Punkten nach Schätzung seines Trainers Wolfgang Wolf vielleicht nur noch einen Sieg zum Verbleib in der Fußball-Bundesliga. „Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber wir kommen da hin, wo wir hin wollen“, sagte Wolf.

Eine schnellere Annäherung wäre schon gestern möglich gewesen. Marek Mintal aber vergab zwei typische Marek-Mintal-Chancen, als er aus dem Nichts frei vor dem Tor auftauchte, Borussias Keeper Kasey Keller den Ball jedoch zweimal aus dem Winkel holte. „Das ist unglaublich, was der Torhüter macht“, sagte Nürnbergs Kapitän Tommy Larsen. Auf der anderen Seite rettete Raphael Schäfer zweimal gegen Sverkos und einmal gegen Neuville. Bernd Thijs vergab zudem eine gute Schusschance für die Gladbacher.

Von starkem Selbstvertrauen kann bei den Borussen noch keine Rede sein, allenfalls von zartem Selbstvertrauen. Dafür waren die Ansätze einer taktischen Ordnung zu erkennen, und auch Köppels Personalentscheidungen erschienen weitgehend schlüssig. „Die Mannschaft war eine Einheit“, sagte der Aushilfstrainer. Die Borussen hatten mehr Ballkontakte als die Nürnberger und mit 57:43 Prozent auch eine positive Zweikampfbilanz. „Wenn man uns heute gesehen hat, dann kann man an uns glauben“, sagte Borussias Mittelfeldspieler Peer Kluge.

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