Sport : Zauber dem Zauder

Christoph Daum beerbt Michael Skibbe als Trainer bei EintrachtFrankfurt

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Wende in Frankfurt. Christoph Daum (links) folgt Michael Skibbe. Vor zwölf Jahren duellierten sie sich noch als Trainer von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Foto: dpa
Wende in Frankfurt. Christoph Daum (links) folgt Michael Skibbe. Vor zwölf Jahren duellierten sie sich noch als Trainer von Bayer...Foto: picture-alliance / dpa

Selten haben an einem Dienstagvormittag während einer Länderspielpause so viele Menschen vor der Frankfurter Arena gestanden, um einem verbliebenen Rest von Bundesligaspielern beim Training zuzuschauen. Sie alle hatten Kunde von der Nachricht erhalten, die für den Bundesligisten Eintracht Frankfurt einer Sensation gleicht: Michael Skibbe muss gehen, Christoph Daum kommt. „Schön, dass er wieder da ist“, sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Rande des Uefa-Kongresses in Paris. „Christoph Daum bringt wieder Leben in die Bude. Obwohl ja zurzeit reichlich Leben in der Bude ist, aber er wird der Liga guttun.“

Daum leitete am Dienstag noch nicht seine erste Einheit bei den verunsicherten Frankfurtern, sondern Torwarttrainer Andreas Menger. Daum, der die Blockade in den Köpfen der schlechtesten Rückrundenmannschaft lösen soll, tritt seine Tätigkeit erst am Mittwoch an. Daum, der 1992 mit dem VfB Stuttgart Meister und mit dem 1. FC Köln zweimal sowie mit Bayer Leverkusen dreimal Zweiter wurde, erhält einen Vertrag bis Saisonende. „Unser Ziel ist es aber, längerfristig zusammenzuarbeiten“, sagte der Frankfurter VorstandsvorsitzendeHeribert Bruchhagen.

Erst am frühen Morgen hatte Bruchhagen seinen Trainer Skibbe in einem persönlichen Gespräch von seiner sofortigen Entlassung unterrichtet – im Anschluss erfuhren es die Spieler von ihm in der Kabine. „Wir hatten anderthalb Jahre eine sehr erfolgreiche Zeit“, sagte Bruchhagen, „doch die extreme Leistungseinbuße hat uns große Sorge gemacht. Wir mussten eine Entscheidung treffen, um die laufende Abwärtsentwicklung aufzuhalten.“

Skibbe sagte auf einer Pressekonferenz, er wolle den Anwesenden „tiefgründige Dinge über unsere Krise ersparen“. Wohl auch, weil die Modalitäten der Abfindung noch geregelt werden müssen, schließlich hatte Skibbe erst im Januar einen bis Juni 2012 laufenden Vertrag unterschrieben, der ihm nun eine siebenstellige Entschädigung einbringen dürfte. Dem zaudernden Skibbe wird seit Wochen Rat- und Tatenlosigkeit vorgehalten.

Heribert Bruchhagen, der in seiner langjährigen Tätigkeit als Manager nur einmal einen Trainer vorzeitig entließ (Hermann Gerland 2000 bei Arminia Bielefeld), gab derweil nun zu, dass er vor Daum bereits andere Kandidaten kontaktiert hatte – es handelte sich dabei wohl um die Schweizer Marcel Koller und Christian Gross. Irgendwann am Wochenende kam ihm dann der Name Daum in den Sinn.

Am Montag führte Bruchhagen das erste Telefonat und suchte anschließend das Haus des in Köln lebenden, seit Juni 2010 nach vorzeitiger Beurlaubung bei Fenerbahce Istanbul arbeitslosen Trainers auf. „Wir haben sehr, sehr lange gesprochen“, sagte Bruchhagen. Am späten Montagabend kam Daums Zusage.

Damit wird in der Amtszeit Bruchhagens eine Zeitenwende eingeleitet: Ein eloquenter Selbstdarsteller, wie es Daum nun einmal ist, scheint eigentlich nicht zum wertkonservativen Vereinschef zu passen. Bruchhagen forderte aber dazu auf, nicht „in Klischees zu denken“. Seine Dienstanweisung an Daum lautet: „Jeder Trainer ist anders, ich möchte hier keinen in eine Schublade stecken. Ich habe die Erwartung, dass Herr Daum die festzustellende Verunsicherung mindert.“

Ausgerechnet Vorgänger Skibbe, der ähnlich wie Daum teils extreme Erfahrungen im türkischen Fußball sammelte, ist hoffnungsvoll, dass Frankfurt den richtigen Joker gezogen hat: „Christoph Daum ist ein erfahrener Fuhrmann, er wird das hinkriegen“, sagte Skibbe.

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