Sport : Ze Roberto

Karsten Doneck

Erst schnürte er noch einmal das Band seiner Sporthose fester, zurrte die weißen Stutzen zurecht, ließ dann leichte Dehnübungen folgen. Dann begab sich der Spieler mit der Nummer 8 auf seine Position, ganz weit auf der linken Außenbahn. Normalerweise auf Fußballplätzen ein Ort der Unauffälligkeit, in dem oft dumpfe Rauf- und Runterrennerei dominiert. Normalerweise. Bayer Leverkusen hat auf der linken Seite Ze Roberto, ein Virtuose, der nach Aussage seines Trainers Klaus Toppmöller, zur Zeit spielt "wie vom anderen Stern".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wohl wahr. In der AOL-Arena gegen den Hamburger SV war der Brasilianer an beiden Toren in der ersten Hälfte beteiligt. Am ersten, dem für die Gastgeber, als Zuschauer. Da flog der zweite Eckball der Hamburger in den Bayer-Strafraum. Ze Roberto deckte den kurzen Pfosten ab und konnte deswegen die Fluglinie des Balles Richtung langer Pfosten genau verfolgen. Aber nur mit den Augen. Hinten sah er, wie Sergej Barbarez zum 0:1 abstaubte. Beim Ausgleich zeigte der Brasilianer, welch ein großartiger Tor-Vorbereiter er ist. Wie mit einem Turbomotor ausgerüstet, überlief er seinen Widersacher Martin Groth, brachte den Ball präzise in die Mitte, dort besorgte Oliver Neuville den Ausgleich. Schon beim 4:1 im Hinspiel gegen den HSV hatte Ze Roberto als Vorarbeiter geglänzt: zu drei Toren hatte er die Vorlagen gegeben.

Brasilianern wird ja nachgesagt, dass sie das kunstvolle Spiel aus dem Effeff beherrschen. Neben aller Feinmotorik verfügt zumindest Ze Roberto aber auch über die in der Bundesliga leider allzu häufig anzutreffende Grobmotorik. So durfte der 27-Jährige froh sein, dass er nur die Gelbe Karte sah, nachdem er in Nähe der Mittelllinie Hamburgs Roda Antar von hinten mächtig in die Beine gegrätscht war (21.).

Ze Roberto holte sich ansonsten viele Bälle vom eigenen Strafraum, versuchte immer wieder seinen Spielgenossen auf der linken Seite, Yilderim Bastürk , steil zu schicken. Und wenn dann Ze Roberto selbst an des Gegners Sechzehner auftauchte, mussten sich die Hamburger schon mit vereinten Kräften auf ihn stürzen, um ihn am Flanken zu hindern. Nicht immer gelang das der HSV-Abwehr, der allerdings zugute kam, dass Ze Roberto von seinen Mitspielern nach dem Wechsel nicht mehr allzu viel beachtet, geschweige denn ins Spiel einbezogen wurde. Dafür knöpfte sich Jan-Nico Hoogma sehr rüde den Brasilianer vor. Nach einem Foul des HSV-Liberos wälzte sich der brasilianische Nationalspieler am Boden, konnte aber nach 45 Sekunden Unterbrechung wieder weitermachen - und nach dem fälligen Freistoß sofort wieder mit Neuville glänzend Doppelpass spielen.

Ze Roberto hat in Hamburg imponiert - trotz mancher Kunstpause. Seine Technik ist ausgefeilt. Weltklasse, wie er Bälle auch in schwierigen Situationen behauptet. Dazu kommt enorme Antrittsschnelligkeit. Verständlich, dass der FC Bayern und Real Madrid um diesen Mann werben.

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