Sport : Zehn Freunde und ein Torwart

Dortmunds Keeper Jens Lehmann greift beim 2:2 auf Schalke seinen eigenen Mitspieler an und sieht Rot

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Nach dem Schlußpfiff tat Jens Lehmann noch immer so, als könnte das alles nicht wahr sein, als wäre er mehr Opfer als Täter. Der Torhüter von Borussia Dortmund war zum vierten Mal in seiner Bundesliga-Karriere des Feldes verwiesen worden. Schiedsrichter Herbert Fandel hatte dem unbeherrschten Profi die Gelb-Rote Karte gezeigt, weil er in der 80. Minute aus seinem Tor gestürmt war und seinen Mitspieler Marcio Amoroso lautstark attackiert hatte. Da der Brasilianer den Amoklauf seines Kollegen abwehren wollte, kam es zum Gerangel. Es war der Höhepunkt eines hektischen und harten Derbys zwischen Schalke und Dortmund, das am Ende 2:2 (2:0) ausging.

Lehmann ereiferte sich offenbar über die mangelnde taktische Disziplin des Stürmers, der dem Schalker Verteidiger Tomasz Waldoch nicht in den Dortmunder Strafraum gefolgt war. Lehmann konnte und wollte nicht fassen, dass es eine Regel gibt, die sein unkollegiales Verhalten unter Strafe stellt. „Diese Regel gibt es nicht“, behauptete er. Es könne sich nur um „eine Erfindung“ oder „eine Neueinführung“ handeln. Schiedsrichter Fandel indes erläuterte, warum Lehmann sich aus mehreren Gründen „unsportlich verhalten hat“. Nicht allein der Angriff auf Amoroso sei unfair gewesen. Schon dass Lehmann dreißig Meter aus seinem Tor gelaufen und die Ausführung eines Freistoßes verzögert habe, sei verwarnungswürdig gewesen. Auch für Amoroso, der nach der Pause eingewechselt worden war, endete das Spiel nach dem Zusammenstoß. Der Stürmer musste gehen, um Platz für Ersatztorhüter Roman Weidenfeller zu machen.

So herrschten in der Schlussphase nicht nur dem Ergebnis nach wieder ausgeglichene Verhältnisse. Von der 38. Minute an hatte Dortmund in Überzahl gespielt. Als Schalke schon 2:0 führte, schlug Victor Agali zu, allerdings mit dem Ellenbogen. Der Nigerianer traf seinen Widersacher Dede mit voller Absicht. In selben Zweikampf hatte Agali zuvor selbst einen Schlag abbekommen. Schiedsrichter Fandel zeigte jedoch nur Agali die Rote Karte. Es war der erste Eklat in einem aufwühlenden Spiel.

Neben Lehmann und Agali war auch Schalkes Trainer Frank Neubarth wütend. „Warum werden wir hier laufend beschissen?“, brüllte er dem Schiedsrichter entgegen. Der sonst so kontrollierte Trainer ärgerte sich über jene Entscheidung, die Schalke den Sieg kostete. Unmittelbar vor Lehmanns Ausraster hatte Waldoch mit einem Kopfstoß den Ball zum vermeintlichen 3:2 ins Tor befördert. Der zuständige Schiedsrichter-Assistent erkannte jedoch auf Abseits. Eine Fehlentscheidung, wie die Fernsehbilder zeigten. Neubarth fand das umso ärgerlicher, weil seine Mannschaft schon im Heimspiel gegen Kaiserslautern aufgrund einer falschen Entscheidung zwei Punkte verloren hatte. Neubarth schrieb die Schuld allein dem Assistenten zu. „Ich weiß nicht, was bei dem im Kopf vorgeht.“ Diese Frage hätte er auch einigen Spielern stellen können.

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