Sport : Zehn Jahre für „11 mm“

Das Filmfestival sucht den besten Fußballfilm.

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Zum Schluss noch ein bisschen Politik. Es ist kurz vor halb elf und Rudi Gutendorf in Plauderlaune. Also: Chile, 1973. „Salvador Allende war ja kein großer Politiker, aber ein guter Landarzt. Und Kommunist. Dann haben sie ihn erschossen.“ Aber das eigentlich Tragische an diesem blöden Militärputsch gegen den chilenischen Präsidenten war ja, dass er, Rudi Gutendorf, „als Allendes Freund mit der letzten Lufthansa-Maschine ausgeflogen wurde“, ein paar Monate vor der WM in Deutschland, „für die ich mich mit Chile qualifiziert hatte. Diese Wunde schmerzt bis heute.“

Ja, es ist schon ein Kreuz mit den Wunden, die der Fußball seinen treuesten Begleitern schlägt. Heribert Faßbender nickt verständnisvoll. Der ehemalige Fußballreporter Faßbender, 71, steht jetzt schon ein halbes Stündchen neben dem ehemaligen Fußballtrainer Gutendorf, 86, da oben auf der Bühne des Kinos Babylon, wo in den kommenden Tagen Fußballfilme gezeigt werden sollen. Am Eröffnungsabend des internationalen Festivals „11 mm“ wird über Fußball vor allem geredet, ein bisschen viel vielleicht.

„11 mm“ feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag und schmückt die eigene Party aus mit der Wahl des besten Fußballfilms aller Zeiten. 48 Filme in vier Wettbewerben sind seit Freitag bis zum Dienstag zu sehen, allerlei Neuerscheinungen, aber auch Älteres. Wer zum Beispiel noch nie gesehen hat, wie „Fimpen, der Knirps“ die schwedische Nationalmannschaft 1974 zur WM nach Deutschland schießt, obwohl er erst sechs Jahre alt ist und das Spiel immer wieder verzögert, weil seine Mitspieler Ronny Hellström (gespielt von Ronny Hellström) oder Ralf Edström (gespielt von Ralf Edström) ihm öfter mal die Schuhe zubinden müssen – wer diesen Film also nie gesehen hat, kann kaum mitreden, was die unbeschwerte Faszination dieses Spiels betrifft.

Faßbenders Kindheit liegt ein paar Jahre zurück. Er ist ein Kind der Bundesliga und der Vater der Sportschau, also die beste Besetzung für die Moderation dieses „11 mm“-Eröffnungsabends, der ganz im Zeichen des 50. Bundesliga-Geburtstags steht. Zur Eröffnung flimmern Sportschau-Filmchen aus fünf Jahrzehnten über die Leinwand, aber leider nur 37 Minuten lang. Dann kommen Faßbender und seine Gäste Klaus Fischer, Olaf Thon, Wolfgang Kleff und Rudi Gutenberg – und mit ihnen die Erkenntnis, dass Fußballspieler beim Fußballspielen doch sehr gut aufgehoben sind. Sven Goldmann

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