Sport : Zehn Mal Karabatic

Der Routinier führt Frankreich im Finale der Handball-WM gegen Dänemark zum Titel

Erik Eggers
Nicht zu stoppen. Der Franzose Nikola Karabatic (links) spielte überragend. Foto: dpa Foto: AFP
Nicht zu stoppen. Der Franzose Nikola Karabatic (links) spielte überragend. Foto: dpaFoto: AFP

Berlin - Den Kopf an den Pfosten gelehnt, stand Lars Christiansen sekundenlang nur starr da. Der Linksaußen der dänischen Handball-Nationalmannschaft ist 38 Jahre alt, ihm ist bewusst, dass ihm die Karriere nicht mehr viele Chancen bieten wird. Der Chance gestern dürfte er noch lange nachtrauern. Der frühere Flensburger hatte ein grandioses Spiel absolviert in der Malmö-Arena, angefeuert von gut 10 000 dänischen Fans, hatte er vier Tore erzielt. Doch sein Team erlaubte sich am Ende, als es darauf ankam, zu viele einfache Fehler und spielte bizarre Fehlpässe, die in einem Finale der Weltmeisterschaft nichts verloren haben.

So bleibt die Hierarchie im Handball gewahrt. Entsprechend abgeklärt feierten die Franzosen den 37:35 (31:31, 15:12)-Sieg nach Verlängerung; auf ganz große Jubelgesten verzichteten sie. Trainer Claude Onesta wurde kurz geschüttelt von seinem Abwehrchef Didier Dinart, dann schien das Team schon wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Dabei hat die Equipe tricolore Sporthistorisches vollbracht: Zum ersten Mal seit 1974 gelang dem Titelverteidiger der erneute WM-Gewinn; die Franzosen sind nun insgesamt zum vierten Mal Weltmeister geworden. Und es hat noch nie ein Team gegeben, das vier große Turniere hintereinander dominierte. Seit dem olympischen Turnier 2008 in Peking sind die Franzosen quasi unschlagbar.

Vieles war programmgemäß gelaufen vor den 12 500 Zuschauern, anderes nicht. Erneut war es Nikola Karabatic (Montpellier), der das französischen Angriffsspiel bestimmte. Karabatic, der gelernter Halblinker ist, übernahm wie selbstverständlich die Position des Regisseurs im Rückraum, die eigentlich der verletzte Daniel Narcisse (THW Kiel) bekleidet. Karabatic lenkte das Spiel, gab den Talenten William Accambray und Xavier Barachet die nötige Sicherheit und übernahm immer dann Verantwortung, wenn es nötig war. Am Ende hatte er zehn Treffer erzielt. Doch die Dänen hatten ihrerseits den fulminanten Mikkel Hansen (Kopenhagen), der wie Karabatic zehn Mal traf, den aber am Ende die Kräfte verließen.

Die Franzosen hätten die Partie vorzeitig entscheiden können, wenn sie nicht das Torhüterduell verloren hätten: Niklas Landin, der erst 22 Jahre alte Keeper aus Silkeborg, zeigte Weltklasseparaden, 22 insgesamt, während Thierry Omeyer vom THW Kiel manch haltbaren Ball hinterherschaute, so wie dem Ausgleich drei Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit durch Bo Spellerberg. Doch als es kritisch wurde, in der Verlängerung, zeigte Omeyer seine Klasse. Die Dänen dagegen vergaben große Chancen, und sie verloren nervös den Ball, was den Franzosen immer wieder schnelle Angriffe ermöglichte. Am Ende waren sie einfach nervenstärker.

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