Sport : Zehn Mann, ein Tor

Hertha sichert den Sieg über Aberdeen kurz vor Schluss – Neuendorf sieht Rot

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Von Klaus Rocca

Berlin. Es muss wehtun, wenn man sich als Mannschaftskapitän 85 Minuten nur warmlaufen darf. Michael Preetz erlebte das gestern Abend, dann endlich durfte er auf den Rasen, weil sein Sturmkollege Luizao satt war, wie es Trainer Huub Stevens ausdrückte. Und der 35-jährige Preetz nutzte die wenigen Minuten auf seine Weise. Vier Minuten nach seiner Einwechslung befreite er seine Mannschaft von dem Albtraum, nach dem frühen Scheitern im DFB-Pokal auch in der ersten Runde des Uefa-Pokals auszuscheiden. Marcelinho flankte, und Preetz traf zum 1:0 (0:0). Hertha BSC war gegen den FC Aberdeen noch einmal davongekommen. Doch der Klub muss glücklich sein sein, überhaupt in der zweiten Runde zu stehen.

Beinahe nämlich wäre es anders gekommen, und das lag an Andreas Neuendorf. Sein Aussetzer in der 38. Minute bescherte ihm nicht nur einen Feldverweis, er brachte seine Mannschaft auch in beträchtliche Schwierigkeiten. Erst erregte sich Neuendorf so sehr über die Gelbe Karte für Michael Hartmann, dass der gute polnische Schiedsrichter Grzegorz Gilewski auch ihn damit bestrafte. Das hätte Neuendorf eigentlich zur Vernunft bringen müssen. Das Gegenteil war der Fall. Er streckte Phillip McGuire, von dem er sich provoziert fühlte, mit einem Kopfstoß zu Boden – vor den Augen des Schiedsrichters. Dieser zögerte keinen Moment und zeigte ihm die Rote Karte.

Der Ärger bei den Berliner Verantwortlichen darüber war groß. „Das wird Konsequenzen haben. So etwas dürfen wir uns nicht gefallen lassen“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Es scheint, als hätten seine Spieler die Vorfälle vom Bundesligaspiel in München noch nicht verarbeitet, als sie sich vom Schiedsrichter benachteiligt fühlten. Am Freitag muss sich Gabor Kiraly vor dem Sportgericht verantworten, er soll in München den Schiedsrichter-Assistenten angerempelt haben. Dem Torwart droht eine Sperre.

Auch gegen Aberdeen hatten sich die Berliner noch nicht ganz beruhigt. Neuendorfs Feldverweis weckte Erinnerungen an das letzte Jahr, als Dick van Burik ebenfalls im Olympiastadion des Feldes verwiesen wurde und Servette Genf nach dem 0:0 vom Hinspiel Hertha mit 3:0 schlug. Doch diesmal waren die Schotten zu harmlos, um den zahlenmäßigen Vorteil zu nutzen. Der währte auch nur bis zur 66. Minute, als der bereits verwarnte Eric Deloumeaux vom FC Aberdeen nach einem weiteren Foul die Gelb-Rote Karte sah. Damit war numerisch alles wieder gleich. Michael Preetz erlöste Hertha mit dem besagten Tor. Verdient war der Sieg, mag er auch spät zustandegekommen sein, allemal. Hertha hatte die besseren Chancen, war in Unterzahl aggressiver.

„Hauptsache gewonnen“, sagte Hoeneß. Das dachten wohl auch die meisten der 30 770 Zuschauer, die große Geduld mit ihren Spielern zeigten. Bei Hertha ist weiterhin Bescheidenheit angesagt.

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