Sport : Zehn prügelnde Basketballer

Sebastian Moll

NBA-Commisioner David Stern hätte so gerne eine anständige, saubere Basketballliga. Jetzt hat er den Spielern schon verordnet, im Anzug zu erscheinen und die Goldketten zu Hause zu lassen, hat die Sporthosen per Reglement auf Knielänge gekürzt und die Rowdies von der Rempelei beim Spiel Detroit gegen Inidiana vor zwei Jahren auf das härteste bestraft. Und jetzt das. Am Samstagabend gingen im New Yorker Madison Square Garden die Denver Nuggets und die New York Knicks aufeinander los wie angetrunkene Halbwüchsige in einer BikerBar im Westen. Mardy Collins von den Knicks riss J.R. Smith von den Nuggets einfach um, als dieser auf den Korb zulief – das Wort Foul war für diese Aktion eine starke Untertreibung. Eins führte zum anderen, alle zehn Feldspieler rangelten miteinander. Superstar Carmelo Anthony aus Denver ließ sich sogar dazu hinreißen, Mardy Collins einen Schwinger mit der Rechten zu verpassen. Die Schiedsrichter hatten ihre liebe Not, alle Spieler vom Platz zu stellen.

Die Beteiligten erhielten drastische Strafen. Beide Klubs müssen je 500 000 Dollar zahlen. „Sie sind verantwortlich für die Taten ihrer Angestellten“, sagte David Stern empört. Carmelo Anthony, Denvers bester Spieler, erhält eine Sperre von 15 Spielen, sein Teamkamerad J.R. Smith fehlt in den nächsten zehn Spielen. Ebenso lang muss New Yorks Guard Nate Robinson aussetzen, vier weitere Spieler erhielten ebenfalls Sperren. Was die Sache pikant macht, ist, dass auch die Rolle von Isiah Thomas, dem Trainer und Präsidenten der New York Knicks, in der Rauferei umstritten ist. Offenbar hatte er seine Spieler in den letzten Minuten instruiert, die Nuggets mit allen Mitteln vom Korb fern zu halten – treten, schlagen, kratzen. Die Nerven von Thomas liegen blank – die Knicks spielen im zweiten Jahr hintereinander schauderhaft. Die Fans bleiben, was in New York noch nie passiert ist, zuhause. Und die, die kommen, pfeifen mitleidslos ihr eigenes Team aus und bewerfen sie mit allem, was sie zu fassen kriegen.

Am Samstagabend standen die Knicks eineinhalb Minuten vor Abpfiff mit 19 Punkten Rückstand vor einer erneuten Blamage zu Hause. Als Denvers J.R. Smith alleine vor dem Korb den Ball nicht nur versenkte, sondern den Treffer provokativ mit einem artistischen Über- den-Kopf-Dunk zelebrierte, könnte Thomas rot gesehen haben. David Stern hatte von den Gerüchten gehört, wollte für seine Strafen aber nur „definitive Informationen“ benutzen. Wenn sich die Vorwürfe aber als richtig erweisen sollten, wird sicherlich auch sein Arbeitgeber, Garden- und Knicks-Besitzer James Dolan, mit ihm ein Wörtchen reden wollen. Der teuerste Klub der Liga scheint endgültig aus dem Ruder zu laufen.

An dieser Stelle erklären die US–Korrespondenten Matthias B. Krause und regelmäßig Phänomene aus dem amerikanischen Sport.

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