Sport : Zehn schwere Patzer

Nach dem Absturz auf Platz 13 der Mannschaftswertung bei den Turn-Weltmeisterschaften in Gent ist das deutsche Team frustriert und ratlos. "Wir sind meilenweit von der Weltspitze entfernt", sagt Sportdirektor Wolfgang Willam. Die WM geriet zum größten Debakel in der Geschichte des deutschen Männerturnens. Zum ersten Mal droht das Olympia-Aus: Können die deutschen Athleten bei der WM 2003 in Anaheim diese Platzierung nicht verbessern, wird es ein Jahr später in Athen keine deutsche Olympiariege geben. Von Platz drei bis zum neuen Tiefpunkt Rang 13 ging es für die deutschen Turner seit der Wiedervereinigung immer weiter bergab.

Eduard Friedrich, Vize-Präsident Olympischer Sport, verteidigte die im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation für Athen verordnete Verjüngungskur. "Wir wollten den Generationswechsel hier und heute, damit wir aus Fehlern noch rechtzeitig lernen können", sagte er. Ex-Weltmeister Waleri Belenki, einer der wenigen älteren Turner im Team, hatte sich auch noch beim Podiumstraining verletzt und saß mit schmerzender Schulter auf der Tribüne. "Waleris Erfahrung hat uns schon ein bisschen gefehlt", sagte der Chemnitzer Sven Kwiatkowski. Ab sofort müssen der Sachse und seine Kollegen ohne Belenki und Sergej Charkow (Dillingen) auskommen, der enttäuscht seine internationale Laufbahn beendet hat. Ringe-Spezialist Marius Toba aus Hannover ist bestenfalls für die Geräte-WM 2002 in Budapest noch ein Thema.

Am Montag schaffte bei insgesamt 30 Übungen nicht einer den Maximalwert 10. Zehn schwere Patzer bedeuteten deutliche Punktabzüge. Nur im Sprung zeigten die Deutschen eine gute Leistung, die übrigen Wertungen waren nicht zufriedenstellend. Die beste Platzierung im 268er Feld schaffte der deutsche Mehrkampf-Meister Thomas Andergassen als 16. beim Sprung, die schlechteste ging auf das Konto von Robert Juckel als 184. am Reck. Als 30. zog mit Sven Kwiatkowski nur ein Deutscher in das Mehrkampf-Finale ein, ein Gerätfinale wurde überhaupt nicht erreicht.

Frauen stoppen freien Fall

24 Stunden nach dem WM-Debakel der Männer haben wenigstens die Athletinnen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) ihren freien Fall Richtung Bedeutungslosigkeit gestoppt. Das Sextett von Teamchefin Petra Theiss nimmt nach sechs von acht Qualifikationsgruppen Rang fünf ein und wird sich damit gegenüber den Welttitelkämpfen 1999 (Platz 15) verbessern. "Wir haben einen deutlichen Aufwärtstrend gesehen, wenn man auch relativierend sagen muss, dass China und Japan hier fehlen", sagte Petra Theiss. Sehr zufrieden war Gabi Weller, die älteste Turnerin im deutschen Team. Die reaktivierte 25-Jährige war mit drei soliden Übungen der stabilisierende Faktor der deutschen Riege. "Die Stimmung war schon während der WM-Vorbereitung so gut wie nie, das hat zu diesem phänomenalen Ergebnis ganz sicher beigetragen", sagte Weller.

"Schockt Eure Kritiker! Turnt durch!", forderte der mitgereiste Anhang der deutschen Mädchen auf einem großen Transparent. Sie hielten sich daran. Beste deutsche Einzelturnerin war die deutsche Mehrkampf-Meisterin Birgit Schweigert, die ohne größere Fehler durch ihr Programm kam und mit 35,449 Punkten auf Platz 13 große Hoffnung auf einen Platz im Mehrkampf-Finale der besten 32 Athletinnen am Freitag haben durfte. Einen Sprung in ein Gerätefinale hatte ohnehin niemand von der deutschen Mannschaft erwartet.

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