Sport : Zehnkampf: 9000 verweht

Robert Hartmann

Warum gelang ausgerechnet Roman Sebrle das Kunststück, einen fantastischen Weltrekord von 9026 Punkten im Zehnkampf aufzustellen? Erklärungsversuche. Zunächst: Es gibt solche launigen Tage, und wie herrlich war das Wetter am Wochenende in Götzis am Arlberg. Dann: Der Tscheche war noch nie vorher an der Chiffre 9000 abgeprallt, in der schon so viel Hohngelächter über die vielen Gescheiterten steckte. Es war ein Durchmarsch vom Ausgangspunkt 8757. Drittens ist das Neue an der Prager Schule um den Trainer Zdenek Vana die Feinmechanik, die gewissenhafte Schulung der Technik, sodass die Leistungen von verblüffender Stabilität sind.

Der Zehnkampf wird nicht mehr von Generalisten, sondern von Spezialisten beherrscht. Schließlich übt Sebrle sich mit dem Schwiegersohn des Trainers in die Bewegungsabläufe ein, dem jetzt mit einem Punktestand von 8994 nur noch ehemaligen Weltrekordler, dem drei Jahre älteren Tomas Dvorak. In dessen Schatten reifte er ohne viel Stress und Druck heran. Wenn die Chemie zwischen zwei solchen Ausnahmetalenten stimmt, muss aus dem gegenseitigen Befeuern irgendwann ein die Welt beeindruckendes Feuerwerk entstehen.

Die Deutschen schauen zu, und der Bundestrainer Claus Marek bekannte in Götzis: "Die Tschechen scheinen fachlich besser zu sein als wir. Sebrle ist Stufe für Stufe heran geführt worden. Der Trainer hatte auch den Mut, zu dämpfen." Vor der Eroberung des Mount Everest hatte Sebrle schon achtzehn 8000er Resultate erzielt, in vierzig Zehnkämpfen seit 1991. So liegen zehn Lehr- und Wanderjahre hinter ihm.

Sein Vater, der früher einmal im hessischen Bad Homburg arbeitete, chauffierte den Sohn im gesponserten Skoda, und während eine kleine Schar von Anhängern nach dem Rekord über eine Stunde darauf wartete, dass ihr Held seine Dopingkontrolle erledigt hatte, kündigte er im Überschwang an: "Im nächsten Jahr hier 9200 Punkte." Schaun wir mal. Viel Luft steckt noch im Stabhochsprung, seiner und Dvoraks auffälliger Schwachstelle. Hier passt ihre Technik hinten und vorne nicht, und offenbar musste Sebrle erst den Widerstand seines Trainers für einen Neuanfang überwinden. "Ich muss die Technik ändern. Ich habe es versprochen", sagte der Weltrekordler dann auf dem Parkplatz vor dem Mösle-Stadion, aller Sorgen ledig. Deshalb darf er auch noch jenseits der berühmten Chiffre eine Zukunft sehen. "Und ich will Medaillen gewinnen, bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen," sagt der 26-Jährige. Genug, genug. Aber es war nun mal sein Tag der Tage.

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