Zehnter Titel bei French Open : Rafael Nadal: Perfektion für die Ewigkeit

Rafael Nadal zeigt mit seinem zehnten Triumph in Paris, dass ihn auf Sand wohl kein Tennisspieler mehr übertreffen wird.

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Erinnerungsfoto vor dem Eiffelturm: Rafael Nadal mit seinem Lieblingspokal.
Erinnerungsfoto vor dem Eiffelturm: Rafael Nadal mit seinem Lieblingspokal.Foto: AFP

Am Montagvormittag begab sich Rafael Nadal auf eine besondere Bootstour. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel fuhr er auf einem Ausflugsschiff über die Seine. Mit dabei hatte der Spanier natürlich den Coupe des Mousquetaires, die Siegertrophäe der French Open. Und als dann im Hintergrund der Eiffelturm emporragte, ergaben sich beste Motive für die Fotografen: der Tennis-König von Paris, ganz lässig in dunklem T-Shirt und Jeans, das Wahrzeichen von Paris und der glitzernde Pokal. Unschlagbar.

Nadal hatte am Tag zuvor gesagt, dass er sich schon 2005, nach seinem ersten Triumph in Paris, zwölf Jahre später auf einem Boot gesehen habe. Allerdings in komplett anderer Umgebung: „2005 dachte ich, dass ich 2017 auf meinem Boot in Mallorca sitze und angle.“ Es ist dann doch etwas anders gekommen. Und das hat auch Nadal überrascht. „Ich habe nicht geglaubt, dass ich so eine lange Karriere haben – und so viele Turniere gewinnen werde“, sagte der 31-Jährige.

Doch nach seiner Demonstration der Stärke, dem überragenden Finalsieg gegen den Schweizer Stan Wawrinka und seinem historischen Triumph lautet die Frage eher: Wie viele Titel wird Nadal noch gewinnen in der französischen Hauptstadt? Zehn Siege bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier hatte vor ihm schließlich noch kein Spieler seit Einführung des Profitennis 1968 geschafft.

"Nur Djokovic im sechsten Gang könnte ihm Paroli bieten"

„Nadal wird für die Ewigkeit der beste Sandplatzspieler der Welt bleiben“, sagt Niki Pilic. Der ehemalige Teamchef des deutschen Davis-Cup-Teams kennt Nadal schon seit er 16 war und bei einem Profi- Turnier in Kroatien groß aufspielte. „Schon damals habe ich gesehen, dass er sehr, sehr gut werden kann“, sagt der 77-Jährige, der auch Novak Djokovic in dessen Jugend trainierte. „Nadal hat seinen Topspin so perfektioniert, dass ihm damit nun auch so viele Winner-Schläge gelingen. Außerdem ist er körperlich und mental unglaublich stark. Nur Djokovic im sechsten Gang könnte ihm Paroli bieten – und das sage ich, obwohl Djokovic mein Spieler war.“

Das zeigte Nadal auch am Sonntag gegen Wawrinka. Er spielte Sandplatz-Tennis in Perfektion und bot eine Sternstunde für diesen an speziellen Momenten nicht armen Sport. Was soll da noch mehr kommen? Nadal weiß es ganz genau. „Ich bin immer noch sehr motiviert“, sagte er. „Ich werde einfach so lange weiterspielen, wie ich Spaß habe.“

Den Weg zum zehnten Titel in Paris ebnete er sich allerdings nicht allein mit Leichtigkeit. Vielmehr war es ein ständiger Kampf gegen Verletzungen und Druck. „Ich habe jeden Tag Zweifel“, sagte Nadal. „Auch jetzt nach diesem für mich so emotionalen Triumph.“

Unsicher, verletzlich, mit Angst vor der Zukunft – auch das ist Rafael Nadal, selbst wenn er nach seinem zehnten Sieg bei den French Open nahezu unantastbar wirkt. Doch es ist erst ein Jahr her, da erlebte eben dieser in den vergangenen zwei Wochen so dominante Nadal einen seiner schwersten Momente. Zum Drittrundenspiel gegen seinen Landsmann Marcel Granollers konnte er wegen einer Verletzung am Handgelenk nicht antreten.

Nadal strebt nach weiteren Titeln

Das sei sein traurigster Augenblick in Paris gewesen, sagte Nadal am Sonntag. Das traf ihn noch härter als seine Achtelfinal-Niederlage gegen den Schweden Robin Söderling 2009 oder sein Viertelfinal-Aus gegen Djokovic vor zwei Jahren. Weil die Verletzung wieder Zweifel aufkommen ließ, wie lange sein Körper seine extrem strapaziöse Spielweise noch mitmachen würde. Zweifel, ob er sich seinen großen Traum vom zehnten Triumph in Paris noch erfüllen könne.

Doch Nadal hat im Laufe seiner Karriere, in der er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, gelernt, mit Zweifeln umzugehen. Er hat sogar geschafft, daraus zusätzliche Motivation zu ziehen. „Zweifel sind wichtig, weil sie dir die Möglichkeit geben, mit noch mehr Intensität, mit noch mehr Hingabe zu arbeiten“, sagte Nadal. „Wenn du keine Zweifel hast, dann wahrscheinlich, weil du arrogant bist. Für mich dagegen sind Zweifel der Ansporn, hart zu arbeiten, und der Grund, warum ich den Erfolg habe, den ich habe.“

Mit dieser Einstellung sehnt er sich bereits nach weiteren Titeln. „Ich würde es lieben, hier auch ein elftes Mal zu gewinnen“, sagte Nadal, der dank seines Sieges in Paris in der Weltrangliste auf Platz zwei vorrückte. Zunächst steht aber bereits in drei Wochen Wimbledon an. Dort hat er zuletzt vor sieben Jahren gewonnen.

„Wimbledon ist für mich immer besonders schwer, ich muss sehen, wie meine Knie halten“, sagte er. „Wenn ich fit bin, habe ich gute Chancen. Aber wenn nicht, dann wird es verdammt schwer für mich“, sagte Nadal und verzog das Gesicht. Auch Pilic glaubt, dass Nadal in Wimbledon erfolgreich sein kann. Natürlich sei es auf Rasen ein anderes Spiel, sagt er. „Aber der Rasen ist mittlerweile langsamer, davon kann er profitieren.“ Vor allem werde Nadal beim nächsten Grand-Slam-Turnier aber von seinem zehnten Paris-Triumph profitieren, betont Pilic: „Sein Selbstbewusstsein ist jetzt riesig.“ (mit dpa)

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