Sport : Zeichen setzen gegen Gummersbach

Erik Eggers[Köln]

Er polarisiert, das weiß Frank Flatten. „Wir spalten mit unserem Vorstoß die Handball-Liga“, sagt der Manager der HSG Düsseldorf. Viele seiner Kollegen schüttelten den Kopf, als er nach der 18:31-Niederlage seines Klubs beim VfL Gummersbach einen Protest gegen die Wertung des Bundesliga-Spiels ankündigte. Grund: Es gebe Hinweise, dass der VfL vor der Insolvenz stehe. Der Protest hat freilich wenig Erfolgschancen. „Sollte ein Klub mit Spielergehältern im Rückstand sein, bedeutet das nicht den Verlust der Spielberechtigung“, sagt Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL).

Flatten gibt trotzdem nicht auf. Er will ein Zeichen setzen. „Wir waren schon zweimal die Leidtragenden von Lizenzverstößen“, sagt er. Vor rund 15 Monaten verlor Düsseldorf knapp die Bundesliga-Aufstiegsspiele gegen TuSEM Essen, das kurz darauf Insolvenz anmelden und zwangsabsteigen musste. Und 2007 verlor Düsseldorf das Pokal-Viertelfinale gegen die HSG Nordhorn, von der jeder Interessierte wusste, dass sie die Gehälter nicht zahlen konnte. 150 000 Euro Antrittsprämie entgingen Düsseldorf wegen des verpassten Final-Four-Turniers in Hamburg.

Der Protest macht die Lage in Gummersbach „nicht einfacher“, sagt VfL-Geschäftsführer Francois-Xavier Houlet. „Klar haben wir finanzielle Schwierigkeiten, sonst hätten wir unseren Spielern im August ja nicht die Gehaltskürzungen angeboten.“ Das Problem resultiere aus der Finanzkrise. „Wir haben weniger Einnahmen als geplant“, sagt Houlet. Nur drei Spieler hätten bislang der Gehaltskürzung um 20 Prozent nicht zugestimmt, sagt Houlet. Rückraumspieler Zarko Markovic hat den VfL bereits verlassen.

Der Fall Gummersbach wirft altbekannte Fragen auf: Wie kann es sein, dass ein Klub seine Profis schon im ersten Monat des Lizenz-Zeitraumes nicht bezahlen kann und dennoch nicht sanktioniert wird? Selbst die neue Regel, dass die Vereine in jedem Quartal ihre Finanzströme nachweisen müssen, nützt derzeit nichts. Für das laufende Quartal, das Ende September endet, muss sich der VfL erst am 15. November rechtfertigen.

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