Sport : Zeit der Buße

Junge oder alte Spieler? Alba Berlin steht vor wichtigen Entscheidungen

Benedikt Voigt

Berlin – Natürlich regnete es, als Alba Berlin am Freitagabend auf dem Gelände der Kulturbrauerei den Abschluss der Saison feierte. Ein anderes Wetter hatte die Spielzeit 2003/2004 auch gar nicht verdient, in der die Berliner Profibasketballer alle Ziele eindrucksvoll verfehlten. Wie Sünder saßen die Spieler auf dem Podium der Kulturbrauerei und taten Buße. Fast eine Stunde lang schrieben sie Autogramme für die erstaunlich positiv gestimmten Fans – was allerdings mit dem vom Präsidenten Dieter Hauert gestifteten Freibier zusammenhängen könnte.

Wenn das Präsidium nicht gerade die Stimmung der Fans hebt, analysiert es gegenwärtig die Gründe für die schlechte Saison. „Es gibt nicht den einen Grund“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi, „es sind eher Schattierungen oder atmosphärische Sachen – aber die spüren wir.“ Alba steht vor einem größeren Umbruch. Außer bei Mithat Demirel und Guido Grünheid laufen alle Verträge aus oder sind, wie bei Szymon Szewczyk oder Vladimir Petrovic, mit Optionen verbunden. Vor den ersten Entscheidungen ist bereits klar, dass das Team in der nächsten Saison ein neues Gesicht haben wird.

„Die Zeiten, in denen wir fünf deutsche Spieler hatten, die bei Alba groß geworden sind, die kann es nicht mehr geben“, sagt Baldi. Nicht, weil der Klub das nicht möchte. „Diese Spieler sind in der Fülle nicht mehr da“, sagt der Vizepräsident. Zu schwach sind die deutschen Nachwuchsspieler, um den Ansprüchen von Alba Berlin zu genügen. Dennoch hat sich der Klub von seinem Jugendkonzept nicht ganz verabschiedet. „Das wird jetzt die Aufgabe von Henrik Rödl sein“, sagt Baldi. Der 35-Jährige rückt nach 14 Jahren als Spieler in den Trainerstab.

Mit Rödl wird der Mannschaft in der nächsten Saison eine weitere Identifikationsfigur fehlen. Immerhin möchte der Routinier Teoman Öztürk noch ein Jahr bei Alba spielen. Marko Pesic hingegen droht mit Abschied. Seine Person ist gegenwärtig die strittigste. Einerseits personifiziert er die Alba-Ära, in der sieben Meistertitel gewonnen wurden. Andererseits blieb auch Pesic hinter den Erwartungen zurück. Zudem dürfte sein Führungsanspruch, den er auf dem Spielfeld oft nicht ausfüllen konnte, Unruhe in das Team getragen haben. Der fehlende Teamgeist war wohl der Hauptgrund für die schwache Saison. John Best sagt: „Die Chemie hat nicht gestimmt.“

Es wird nicht einfach, das neue Team zusammenzustellen. „Wir wollen eine Mannschaft, die höchsten Ansprüchen genügt“, sagt Baldi. Dafür brauche er erfahrene Spieler. „Aber wir wollen auch ein Team mit Perspektive, für das wir nicht im nächsten Jahr zehn neue Spieler holen müssen.“ Also junge Spieler. Ein Perspektivspieler könnte der 22-jährige Bamberger Steffen Hamann sein. Doch Baldi sagt: „Hamann hat von uns kein Angebot bekommen, und ich vermute, er wird auch keines bekommen.“

Trainer Emir Mutapcic musste sich bei der Abschlussfeier ein paar leise Pfiffe der Fans anhören. Seine Position steht jedoch nicht in Frage, zumal sein Vertrag im Frühjahr um ein Jahr verlängert wurde. „Mutapcic trägt eine Mitschuld an dem Ergebnis“, sagt Baldi, „wie alle anderen, die in diesem Verein Verantwortung tragen.“ Wie gesagt, die Zeit der Buße ist bei Alba noch nicht vorbei.

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