Sport : Zeit der Ernüchterung

Benedikt Voigt

Im deutschen Basketball gibt es zwei Nationalmannschaften der Männer. "Mit Dirk Nowitzki und ohne Dirk Nowitzki", sagt Wolfgang Brenscheidt, Sportdirektor des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Mit dem NBA-Star der Dallas Mavericks spielt das deutsche Team ziemlich gut, wie der vierte Platz bei der Basketball-Europameisterschaft im September bewies. Aber ohne ihn?

Die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Dettmann kämpft heute in Mazedonien (20 Uhr) und am Samstag (21.15 Uhr, live im DSF) in Kroatien um die Qualifikation für die Europameisterschaft 2003. "Ein Sieg aus beiden Spielen ist Pflicht, damit wir nicht unnötig unter Druck geraten", sagt Brenscheidt. Ohne Nowitzki, der während der NBA-Saison keine Nationalmannschaftsspiele bestreiten kann, hatte Deutschland im November gegen Irland und Zypern gewonnen, das Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina (76:84) jedoch verloren. Nur die ersten beiden Teams sowie die vier besten Drittplatzierten der fünf Gruppen qualifizieren sich für die EM, wo die Startplätze für die Olympischen Spiele 2004 in Athen vergeben werden. "Und Olympia ist das große Ziel von Dirk Nowitzki", sagt der Sportdirektor.

Doch die Qualifikation fällt dem Ohne-Nowitzki-Team offensichtlich schwer. "Europa ist kein Spaß mehr", erklärt Brenscheidt, "die Spitze liegt so dicht zusammen, da darfst du dir keine Blöße geben." Nur drei Trainingseinheiten mussten ausreichen, um die junge deutsche Mannschaft auf das erste Spiel in Ohrid einzustimmen. Mit Stefano Garris, Jörg Lütcke, Marko Pesic und Sven Schultze stehen vier Spieler des Deutschen Meisters Alba Berlin im Aufgebot, die gerade im Verein eine sportliche Krise erleben. "Doch in der Nationalmannschaft herrscht eine andere Konstellation, da kann schon einmal der Knoten platzen", glaubt der Sportdirektor.

Zum ersten Mal dürfte heute Misan Nikagbatse von Olympiakos Piräus einige Minuten in der Nationalmannschaft bekommen. Der 19-Jährige, der in der griechischen Liga in durchschnittlich 10,9 Minuten auf 3,6 Punkte kommt, soll sich im Spielaufbau mit Marko Pesic und dem Frankfurter Pascal Roller abwechseln. Dettmann hatte sich zwischen Hurl Beechum und Nikagbatse entscheiden müssen. Beide gelten als "naturalisierte Spieler", von denen jeweils nur einer spielberechtigt ist. "Nach der Verletzung von Henrik Rödl brauchte Dettmann noch einen Spielmacher", erklärt Brenscheidt die Entscheidung. Zumal der Bundestrainer den Würzburger Robert Garrett zu Hause ließ. Der Sportdirektor möchte das nicht erklären: "Fragen Sie Dettmann."

Von einem Boom nach dem vierten Platz bei der Europameisterschaft lässt sich nun nicht mehr sprechen. "Die Quoten der Basketball-Bundesliga sind nicht so wie erwartet", sagt Brenscheidt, "aber die Nationalmannschaft hat eben einen anderen Stellenwert." Doch auch für das Ohne-Nowitzki-Team scheint sich das Fernsehen nicht mehr so recht zu interessieren. Die Live-Übertragung aus Kroatien wird die erste der Qualifikationsrunde sein, selbst bei den Heimspielen war keine Live-Kamera zugegen. Brenscheidt sagt: "Das war schon sehr ernüchternd."

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