Sport : Zeit der Extreme (Kommentar)

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Heute hui, morgen pfui, übermorgen ... Martin Schmitt ist mal Überflieger, mal Abgestürzter, mal Hoffnungsträger. Siege und Niederlagen allein sind nicht mehr interessant genug. Extreme müssen es sein.

Schmitt ist gerade 21 Jahre alt. Er lebt mit dem sportlichen Druck einen zweifachen Weltmeisters, muss für einen Sponsor mit einem lila Helm springen und für einen Fernsehsender entsprechende Einschaltquoten bringen. Trotz aller Belastungen hat er sich die bemerkenswerte Eigenschaft bewahrt, auch über sich selbst lachen zu können. "Ich bin ein Computer, und das war mein Millenniums-Chaos" - mit dieser Antwort hat Schmitt am Sonnabend in Garmisch die Schnellfrager irritiert, die ihn noch im Schanzenauslauf eilfertig nach dem Grund für den verpassten Platz auf dem Treppchen gefragt hatten.

Wer sich wie die deutschen Skispringer vermarkten lässt, der muss natürlich auch mit den Auswirkungen leben können. Doch ein Überangebot, egal in welcher Form, führt zur Übersättigung. Die Tennis-Funktionäre wissen das, die der Skispringer offensichtlich noch nicht. Die Kuh soll erst richtig gemolken werden, bevor sie allein auf die Weide darf. Schon gibt es Anregungen, aus der Vierschanzentournee eine Tour über fünf Stationen werden zu lassen. Und Paul Ganzenhuber, Vizepräsident des Sprungkomitees des Internationalen Skiverbandes, träumt von einer Ganzjahressportart auf Sprungbrettern - mit einer Flugschanze im Central Park von New York.

Die Kaffeepötte mit dem Antlitz von Martin Schmitt sind längst übervoll. Übrigens: Gestern wurde er hervorragender Zweiter in Innsbruck. Ohne Wenn und Aber.

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