Sport : Zeit der Reife

Volleyballer Marcus Böhme prägt das Spiel des SCC

Karsten Doneck

Berlin - Zunächst kämpfte Marcus Böhme gegen Vorbehalte. Erst 14 Jahre war er alt, als er bei einer bundesweiten Sichtung auffiel. Der Eindruck, den der junge Volleyballer des SV Preußen Berlin da hinterließ, spaltete allerdings die Beobachter. Die einen waren begeistert, und wie die anderen dachten, daran erinnert sich Michael Warm, der sichtende Trainer, noch ziemlich genau: „Diesen schüchternen, unauffälligen, zierlichen Kerl in den Kader zu holen, dagegen gab es viele Widerstände.“ Warm überhörte alle Mahnungen und nahm Böhme in den Kreis der Jugendnationalspieler auf.

Rund acht Jahre sind seitdem vergangen. Heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) trifft der SC Charlottenburg in der Volleyball-Bundesliga auf den VfB Friedrichshafen. Ein Spitzenspiel: der Zweite gegen den Ersten. Die Hoffnungen beim SCC, die Friedrichshafener zu bezwingen, stützen sich zu einem großen Teil auch auf – Marcus Böhme, jetzt 22 Jahre alt. „Er mag früher ein wenig langsam, ein bisschen verschlafen gewesen sein. Aber das sind Sachen, die man abstellen kann. Inzwischen ist er gerade athletisch bärenstark“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand.

Marcus Böhme, Mittelblocker, hat sich über die Jahre „sehr konstant entwickelt, nie sprunghaft“, sagt der jetzige SCC-Trainer Michael Warm. Der 2,10 Meter große Spieler verfolgt einen recht geradlinigen Weg: sportlich und privat. Er hat eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann abgeschlossen, will aber jetzt erst mal prüfen, wie er als Volleyballprofi vorankommt. Und er denkt ökonomisch: Um sich weite Wege zum Training zu ersparen, hat er sich eine Wohnung nahe der Sömmeringhalle gesucht.

Er selbst schätzt seine sportliche Lage sehr sachlich ein. „Ich bin auf dem aufsteigenden Ast“, sagt er, besteht aber im nächsten Satz schon darauf, sich nicht über die anderen Spieler zu erheben: „Die Mannschaft insgesamt hat gut zusammengefunden.“ Und der nächste Gegner, der VfB Friedrichshafen? „Die sind auch schlagbar“, verkündet Böhme und lässt Selbstbewusstsein anklingen. Seine guten Leistungen sind auch über Berlin hinaus aufgefallen: So gehört er erneut zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft, die sich am kommenden Sonntag in Heidelberg trifft zur Vorbereitung auf die Olympiaqualifikation.

Spieler wie Böhme werden auch von anderen, finanzstärkeren Klubs begehrt. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, es gibt eine Option für eine Verlängerung. Trainer Warm rät: „Er braucht noch zwei, drei Jahre, um sein Potenzial weiterzuentwickeln.“ Niroomand sagt: „Man muss nicht immer gleich mit 22 oder 23 Jahren ins Ausland gehen. Das kann man auch noch tun, wenn man 26 Jahre alt ist.“ Dann hätte Böhme noch vier Jahre Zeit – für den SCC. Karsten Doneck

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