Sport : Zeit für einen Rollenwechsel

Fabian Lustenberger ist am zweitlängsten von allen Spielern bei Hertha – und kämpft um seinen Platz

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Zu viel Zeit zum Ausruhen. Lustenberger hat zurzeit keinen Stammplatz. Foto: ddp
Zu viel Zeit zum Ausruhen. Lustenberger hat zurzeit keinen Stammplatz. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Als Fabian Lustenberger nach Berlin kam, war er ein junger schmächtiger Bursche, mit 19 Jahren auf dem Weg in ein großes Abenteuer. Vom FC Luzern hatte ihn sein Schweizer Landsmann, der damalige Hertha-Trainer Lucien Favre, geholt. Als Investition. Der Lustenberger sei sehr talentiert, hatte Favre gesagt, aber er brauche Zeit und Geduld.

Über vier Jahre sind seitdem vergangen. Favre ist längst weg, Lustenberger ist noch da. Mit 23 Jahren ist er kräftiger geworden und nach Patrick Ebert der Spieler, der aktuell am längsten in Herthas Kader ist. Und wieder braucht Fabian Lustenberger Geduld: In der Vorbereitung warfen ihn Verletzungen zurück. Als die Saison losging, waren in Herthas defensivem Mittelfeld die Positionen, auf denen er sich am wohlsten fühlt, vergeben – dort spielen zuverlässig Peter Niemeyer und Andreas Ottl. Lustenberger wurde in neun Spielen fünf Mal eingewechselt, unbefriedigend für ihn, der in seiner ersten Saison unter Favre schon 23 Bundesligaspiele bestreiten durfte. „Aber das ist eben momentan meine Rolle“, sagt er. „Lieber spiele ich zehn Minuten, als 90 Minuten auf der Bank zu sitzen.“

Beim 1:2 in Bremen und beim 0:4 in München durfte er länger spielen. Aber da kam Lustenberger aufs Feld, als bei Hertha bereits mächtig geschwommen wurde. Trotzdem konnte er überzeugen. Bei der Passgenauigkeit kann er noch zulegen, schnell und zweikampfstark ist er. Bei Herthas Demontage am vergangenen Sonnabend hatte er die besten Werte in den Zweikämpfen. Aber das will er nicht überbewertet sehen. Da sei er ja kaum an den Ball gekommen. Aber: „Das 0:4 in München war nicht so bitter wie das 1:2 in Bremen. In der Schlussphase unglücklich zu verlieren, schlägt mehr aufs Gemüt.“ Am Sonnabend gegen Mainz würde Hertha das mit München geraderücken: „Die Mainzer sind mit uns auf Augenhöhe und haben nach ihren vielen Niederlagen nicht das Selbstvertrauen der Bayern.“

Im Juli kam Fabian Lustenberger mit dem U-21-Nationalteam ins EM-Finale, die Schweiz verlor gegen Spanien 0:2. Er bestritt das Endspiel von Beginn an. Ein Luxus, den er sich bei Hertha wieder erarbeiten will. „Ich würde am liebsten auf der Sechserposition spielen. Auch wenn wir da sehr gute Spieler haben, nehme ich den Konkurrenzkampf an, lasse meinen Kopf nicht hängen.“ Das sei auch nicht so schwer bei Hertha zurzeit. „Der Zusammenhalt war nie so wie jetzt.“ Es motiviere ihn, dass im Training immer gute Stimmung sei, er mit vielen Kollegen ein gutes Verhältnis pflegen würde. Die Atmosphäre sei etwa in der Abstiegssaison bei Hertha eine ganz andere gewesen.

Damals musste Favre gehen, und Babbels Vorgänger Friedhelm Funkel verwaltete den Missstand bis zum Abstieg hin. Lustenberger verfolgt die Arbeit seines „Mentors“, wie er Favre nennt, genau. „Natürlich freue ich mich, wenn er mit Mönchengladbach Erfolg hat. Ich habe ihm viel zu verdanken.“ Da wäre es doch denkbar, dass er trotz eines bis 2014 laufenden Vertrages bei Hertha … „Nein“, sagt Fabian Lustenberger entschieden. „Für solche Gedanken ist es zu früh in der Saison. An einen anderen Klub als Hertha denke ich im Moment noch nicht.“

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