Sport : Zeit für Taten

Marko Pesic muss für Alba mehr tun als nur das Wort führen

Benedikt Voigt

Berlin . Als die ersten Zuschauer pfiffen und buhten, übernahm Marko Pesic die Initiative. Der Flügelspieler von Alba Berlin rief seine niedergeschlagenen Teamkollegen nach der Schlusssirene im Mittelkreis zusammen und versuchte, noch ein paar konstruktive Worte an sie zu richten. „Jeder muss über sein Mannschaftsspiel nachdenken“, berichtete Pesic in der Kabine.

Es ist viel nachgedacht und noch mehr geredet worden bei Alba Berlin seit dem Debakel im Europaliga-Heimspiel gegen Wroclaw (53:67). Am Tag danach gab es eine längere Mannschaftssitzung, in der die Spieler ihre Meinung äußerten. „Jeder hat gesagt, was ihm nicht passt“, erzählt Aufbauspieler Mithat Demirel. Doch damit ist Alba noch keinen Schritt weiter. „Viel reden bringt nicht viel“, sagt Trainer Emir Mutapcic, „wir müssen jetzt gegen Pamesa Valencia besser spielen.“ Gegen ein Team, von dem Albas Coach sagt, dass es keinen Schwachpunkt habe.

Trotzdem ist im Europaligaspiel gegen den Tabellenvierten der spanischen Liga (Mittwoch, 20.30 Uhr, live auf TV Berlin) die Zeit für Taten angebrochen. Das gilt insbesondere für Marko Pesic. Er versucht in dieser Saison die Rolle zu übernehmen, die Henrik Rödl lange Jahre innehatte. Letzterem werden am Mittwoch die Fäden im operierten Knie gezogen, zur Jahreswende soll er langsam zurückkommen. Bis dahin gibt Marko Pesic den Wortführer. Was vom Trainer auch erwünscht ist. „Er ist nicht mehr 22 Jahre alt, sondern 27 oder 28.“ Zwar wird Pesic erst im Dezember 27, doch der Trainer will damit wohl sagen, dass er jetzt reif für diese Rolle ist. „Er ist unser Leistungsträger.“

Das spiegelt sich noch nicht in der aktuellen Statistik wider. Auf durchschnittlich fünf Punkte kommt er nach den bisherigen beiden Spielen in der Europaliga. In der vergangenen Saison waren es noch 12,5. In der Bundesliga liegt er mit durchschnittlich zehn Punkten ebenfalls unter der Leistung der Vorsaison (12,1 Punkte). „Alle Spieler haben dieses Problem“, sagt Mutapcic, „wir spielen nicht als Team, deshalb sind auch unsere individuellen Leistungen nicht wie früher.“ Alba könne dieses Problem nur zusammen als Mannschaft lösen.

Das weiß auch Marko Pesic. „Natürlich habe ich auch Fehler gemacht“, sagt der deutsche Nationalspieler, „ich habe mehr falsch gemacht als Guido Grünheid.“ Was nicht zu widerlegen ist, denn dieser bestritt wegen eines Kreuzbandrisses in dieser Saison noch kein Spiel. Pesic hingegen ist gesund – und verunsichert. „Soll ich auf eigene Faust Verantwortung übernehmen oder das Spiel beruhigen und damit etwas für die Mannschaft tun“, rätselt Pesic, „man muss einen Mittelweg finden.“

Noch hat sich niemand gefunden, der die neue Mannschaft von Alba Berlin in schwierigen Phasen führen kann. Das Team sucht nach einer Hierarchie. Dennoch erübrigt sich nach Meinung von Marko Pesic eine Diskussion über Führungsspieler. „Wir hatten im letzten Jahr auch keinen Führungsspieler“, sagt Pesic. Und dass zu viele diesen Anspruch haben, glaubt er auch nicht. „Wir haben nicht das Problem, dass jemand auf den anderen neidisch ist.“ Er selber habe auch nicht diesen Anspruch. „Ich sage nicht: Ich bin ein Führungsspieler.“

Henrik Rödl hat sich am Montag das Training seiner ehemaligen und vielleicht künftigen Kameraden angesehen. Zuvor hatte er an einer Teamsitzung teilgenommen und ein paar Worte an die Spieler gerichtet. „Albas Mannschaften haben traditionell Schwierigkeiten am Anfang der Saison“, erklärt Rödl, der zehn Jahre für Alba spielte. Eine Hierarchie habe sich immer erst im Laufe der Saison herausgebildet. Rödl sagt: „Die Mannschaft wird sich noch finden.“ Womöglich schon in Valencia.

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