Sport : Zeit für Veränderung

Hertha BSC bleibt auch nach dem sechsten Spieltag ohne Saisonsieg – in Bochum reicht es nur zu einem 2:2

Michael Rosentritt

Bochum. Huub Stevens ist ein emotionaler Mensch. Wenn seine Mannschaft verliert, kann sich der Trainer von Hertha BSC nur schwer unter Kontrolle halten. Als gestern im Bochumer Ruhrstadion um kurz nach halb vier Entscheidendes passierte, hüpfte Stevens von seinem Stuhl, setzte sich gleich wieder und vermerkte auf seinem Notizzettel das 1:0 für sein Team durch ein Tor von Andreas Neuendorf. Der Trainer des Fußball- Bundesligisten wirkte in diesem Moment so aufgewühlt wie ein Insolvenzverwalter nach getaner Arbeit. Vielleicht ist Stevens vorsichtig geworden, weil er zuletzt genug Enttäuschungen erlebt hat. Zu Recht. Obwohl Hertha in Bochum das erste Auswärtstor erzielte und zweimal führte, reichte es nur zu einem 2:2, immer noch nicht aber zum ersten Saisonsieg. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Stevens. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die füreinander gekämpft hat.“

Krisenzeiten sind Zeiten für Veränderung: Zum ersten Mal in dieser Saison spielte Hertha in gelben Hemden und blauen Hosen. Und die Aufstellung hatte Stevens im Vergleich zur 2:3-Niederlage gegen Hannover auf vier Positionen verändert. Und die beiden Neuen Goor und Neuendorf waren es, die nach fünf Minuten das 1:0 besorgten. Nach einem Pass von Dardai konnte der Belgier den Ball in den Strafraum zu Neuendorf weiterschicken. Der überwand aus fünf Metern Bochums Torhüter van Duijnhoven.

Bis zur Pause war die Führung mehr als verdient. Stevens bescheinigte seinen Spielern „eine sehr hohe Laufbereitschaft“. Nur einmal musste Torhüter Gabor Kiraly eingreifen, als Vahid Hashemian am Strafraum zum Schuss kam. Die Berliner versuchten, die Schwächen des VfL in der behäbigen Defensive durch schnelle Konter auszunutzen. Und das machten sie gut. Kurz vor der Pause scheiterten Goor, Bobic, Mladenow und Dardai innerhalb von fünf Minuten an van Duijnhoven. Doch trotz der Überlegenheit gelang es Hertha nicht, die Führung in die Pause zu retten. Es lief bereits die letzte Minute der ersten Halbzeit, als der VfL mal gefällig kombinierte und Zdebel das 1:1 erzielte.

Es gibt schönere Momente für ein Gegentor. Umso erstaunlicher war es, dass die Berliner auch nach der Pause das bessere Team waren und erneut zu guten Chancen kamen. Nach etwas mehr als einer Stunde nutzte Goor die Schwächen in Bochums Viererkette, spielte den Ball zu Neuendorf, der umkurvte van Duijnhoven und erzielte sein zweites Tor. Diesmal jubelte sogar Stevens. Aber die Hoffnung auf den Sieg wurde wieder nicht erfüllt. Nur sechs Minuten später traf Hashemian zum 2:2. Wie vor einer Woche in Hannover verspielte Hertha eine Führung. Und doch versucht man bei den Berlinern die Ruhe zu bewahren. Als nach dem Abpfiff einige Fans am Bus Spieler und Trainer beschimpften, sagte Manager Dieter Hoeneß: „Davon lassen wir uns nicht beirren.“

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