Sport : Zeit für Zeichen

Mit bösen Worten und guten Taten kämpft Basler für Lautern

Hartmut Scherzer

Leverkusen. Beim Schlusspfiff im Platzregen zog Mario Basler das blaue Leibchen aus und warf es in den Pfälzer Fan-Block. In Zeiten höchster finanzieller und sportlicher Not des 1. FC Kaiserslautern fühlt sich der gebürtige Pfälzer offenbar berufen, Zeichen des Zusammenrückens zu setzen.

Unter der Woche war er Wortführer bei der Spendenaktion (1,5 Millionen Euro) der Mannschaft für den klammen Verein. Mit dem Zeichen, den Schiedsrichter zum Verantwortlichen für die 0:1-Niederlage in Leverkusen zu machen, tat Mario Basler allerdings zu viel des Guten. Weniger, weil er sich mit seinem Protest nach dem Tor Thomas Brdarics geirrt hatte, sondern weil er es dennoch abends im „Aktuellen Sportstudio" des ZDF für angemessen hielt, über den Schiedsrichter herzuziehen: „Herr Kemmling müsste normalerweise heute richtig auf die Fresse kriegen." Das dürfte allerdings nicht physisch gemeint gewesen sein. Denn Basler sagte im gleichen Atemzug: „Wir kriegen auch genügend auf die Fresse." Und es ist nicht bekannt, dass Lauterer für schlechte Leistungen je mit Prügel bestraft wurden.

Basler warf Kemmling vor, „90 Minuten lang eine arrogante Haltung an den Tag gelegt" zu haben. „Da sucht man das eine oder andere Gespräch mit dem Schiedsrichter, und dann kommt so eine abwertende Handbewegung." Er plaudert halt gerne auf dem Platz. Doch nicht jeder ist zum Gespräch mit ihm bereit. „Ich bin nicht dazu da, ihm Dinge zu erklären", sagte Kemmling. Er wunderte sich allerdings, dass Basler das Gespräch nicht mehr nach dem Spiel gesucht hatte, als die Fernsehbilder die Korrektheit des Tores und die Entscheidung seines Assistenten eindeutig bestätigt hatten. Denn Dimitros Grammozis hatte das Abseits aufgehoben, als Carsten Ramelow den Ball in den Strafraum zu Hanno Balitsch köpfte. Beim Rettungsversuch auf der Linie schoss Thomas Hengen dann Brdaric an.

Immerhin: Zeichen, wie der 1. FC Kaiserslautern sportlich aus der Krise kommen kann, hatte Basler auf dem Platz nicht nur mit Reden, Gesprächen und Protesten gesetzt. Der bald 34-Jährige rannte wie ein junger Springinsfeld 90 Minuten lang über den Platz. 76 Ballkontakte sind für ihn Saisonrekord. Zum Schluss hatte Basler nach einem feinen Dribbling sogar den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an Leverkusens Torhüter Jörg Butt.

Und so fühlt Basler sich als der richtige Mann auf dem richtigen Platz. Im Krisenherbst erlebt der Exzentriker offenbar seinen zweiten Frühling. Die ungewohnten Anstrengungen des Mannes, der manchmal wie ein Spaziergänger über den Platz schlenderte, haben Gründe: „Ich will noch zwei Jahre für den 1. FC Kaiserslautern spielen, und zwar in der Ersten Bundesliga."

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