Sport : Zeit für Zeichen

Offiziell bereitet Herthas Beteiligungsausschuss die Mitgliederversammlung vor – intern wird Kritik am Management erwartet

Klaus Rocca

Berlin. Rupert Scholz wird sich heute Abend wohl einige unfreundliche Worte anhören müssen. Seine öffentlich geäußerte Kritik an Fredi Bobic hat bei Hertha BSC intern für Ärger gesorgt, weil sie das ohnehin schlechte Klima noch verschlimmert hat. Das wird der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten zu spüren bekommen, wenn der Beteiligungsausschuss des Vereins auf der Geschäftsstelle tagt. In der Einladung zu dieser eigentlich turnusgemäßen Sitzung stehen zwar unverfängliche Punkte wie eine unbedeutende Satzungsänderung für die Mitgliederversammlung am 24. November, doch dass die aktuelle Situation um Huub Stevens heute in diesem Gremium mit den Mitgliedern des Aufsichtsrats, des Präsidiums und den von der Mitgliederversammlung gewählten Personen zur Sprache kommt, darf man voraussetzen.

Manager Dieter Hoeneß betont zwar immer wieder, es werde bis zur Winterpause keine neue Vereinbarung und schon gar kein Ultimatum geben, doch könnten Herthas Verantwortliche von den Ereignissen überholt werden. Gewinnen die Berliner am Samstag nicht gegen den Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach, werden die Fans ihren Druck auf Trainer Stevens noch erhöhen. Damit hat dann auch Hoeneß wieder ein Problem, der sein Schicksal so eng mit dem von Stevens verknüpft hat. Dass auch Hoeneß zuletzt in Wolfsburg in Sprechchören attackiert wurde, machte deutlich, was der Manager von den Fans bei weiteren Niederlagen zu erwarten hat.

Ob Hoeneß/Stevens bis zur Mitgliederversammlung bessere Karten haben, wird von den Ergebnissen auf dem Rasen abhängen. Hoeneß würde jedoch fahrlässig handeln, hätte er nicht längst einen Plan B in der Schublade. Selbst wenn er betont, er lasse sich durch die Fans nicht das Gesetz des Handelns aus der Hand nehmen, muss er Trainerkandidaten in der Hinterhand haben. Der Aufsichtsrat hat oft genug betont, dass man sich nicht vorwerfen lassen wolle, man habe „fahrlässig gehandelt“.

Vielleicht muss Hoeneß Trainer Stevens aber auch gar nicht entlassen. Vielleicht tritt der Holländer von selbst zurück. Diese Möglichkeit wird intern nicht mehr ausgeschlossen, auch wenn Herthas Trainer keine Gelegenheit auslässt, zu sagen, er werde nicht aufgeben. Offiziell läuft Stevens’ Vertrag bis Ende der Saison 2005. Doch nur dann, wenn er bis zum 31. März nächsten Jahres vom Verein verlängert wird. Gäbe es also eine vorzeitige Trennung, müsste Hertha Stevens lediglich bis zum Ende der laufenden Saison eine Abfindung zahlen. Angesichts der angespannten finanziellen Situation könnte es also leichter fallen, einen Schlussstrich unter die bisher recht freudlose Allianz zu ziehen.

Noch hat Dieter Hoeneß die meisten der einflussreichen Mitglieder aus Aufsichtsrat, Präsidium und dem von der Mitgliederversammlung gewählten Personenkreis hinter sich. Kritik wird eher hinter vorgehaltener Hand geübt. So sagte eines dieser Mitglieder, das namentlich nicht genannt werden möchte, am Dienstag: „So kann es nicht weitergehen. Es werden einfach zu viele handwerkliche Fehler gemacht. Das ist zum Kotzen.“ Er werde seine Kritik demnächst intern deutlich äußern.

Ob das schon heute auf der Sitzung des Beteiligungsausschusses geschieht, bleibt abzuwarten. Spätestens auf der Mitgliederversammlung werden die Kritiker auf den Plan treten, sofern sich bis dahin die sportliche Situation nicht entscheidend verbessert hat. Dass dort vom Verein verkündet wird, dass der Umsatz in der Vorsaison mit 63 Millionen Euro eine Rekordhöhe erreicht hat, wird die Fans wohl kaum versöhnlich stimmen.

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