Sport : Zeitenwechsel

In Zukunft könnten immer weniger reine Frauenfußball-Klubs in der Bundesliga spielen.

Anja Perkuhn

München - Die Liste ist kurz. Gerade einmal zwei Klubs dürfen sich sowohl im Männerfußball als auch im Frauenfußball Deutscher Meister nennen. Das sind der VfL Wolfsburg und der FC Bayern, beide treffen heute zum Saisonbeginn der Frauen-Bundesliga aufeinander.

Ansonsten haben in der Vergangenheit reine Frauenfußball-Klubs wie Turbine Potsdam und der 1. FFC Frankfurt dominiert. Das könnte sich in Zukunft ändern. Laut Karin Danner, seit 1995 Leiterin der Frauenfußball-Abteilung des FC Bayern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die meisten Lizenzvereine ein Frauenfußballteam unterhalten werden. Die TSG Hoffenheim beispielsweise hat 2007 eine Frauenfußballabteilung gegründet, die erste Mannschaft ist gerade in die Bundesliga aufgestiegen. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wird es sich dahin entwickeln, dass es fast nur noch reine Lizenzvereine in der Bundesliga geben wird“, sagt Danner. Sie begrüßt diese mögliche Entwicklung. „Uns kann nichts besseres passieren. Diese Klubs werden den Frauenfußball weiterbringen, die Strukturen sind bei den Vereinen schon da. Sie finden auch leichter Sponsoren, was im Frauenfußball oft immer noch schwer ist.“ Finanzielle Probleme wie beispielsweise die des FCR Duisburg am Anfang des Jahres oder des SC 07 Bad Neuenahr im Sommer, die beide in Insolvenzen endeten, „kann man alleine nicht auffangen. Das Geld haben nur die großen Fußballklubs.“

Der Stellenwert des Frauenfußballs in Deutschland verbessert sich stetig. Der TV-Sender Eurosport gab gerade bekannt, dass er an jedem Wochenende ein Spiel der Frauenfußball-Bundesliga übertragen wird, beginnend mit der Partie Wolfsburg gegen Bayern am Sonnabend (13 Uhr). Fast neun Millionen Zuschauer sahen das Finale der Europameisterschaft in der ARD.

Diverse Männer-Lizenzvereine haben sicher auch wegen der steigenden Popularität in den vergangenen Jahren Frauenvereine gegründet oder aufgenommen. So wie Hertha BSC: Der Berliner Verein 1. FC Lübars spielt in der zweiten Liga unter seinem Namen und mit der Lübars-Beflockung, gehört seit 2009 aber zu Hertha. Die Frauenfußball-Abteilung des 1. FC Köln wurde durch den Übertritt des FFC Brauweiler Pulheim gegründet, Frauenfußball-Bundesligist Bayer Leverkusen gliederte den Frauen-Zweitligisten TuS Köln in seinen Verein ein. Auch Schalke 04 schloss mit dem benachbarten 1. FFC Recklinghausen eine Kooperation. „Die kleineren Vereine könnten sich eine Saison in der zweiten Liga kaum leisten und über die Lizenzklubs geht das“, sagt Danner. „Eine Möglichkeit für die Zukunft sieht genau so aus.“

Der Deutsche Fußball-Bund wiegelt aber noch ab: Die Frauenfußball-Bundesliga sei schon immer eine Mischung aus reinen Frauenfußballklubs, Frauenteams von Lizenzvereinen und Spartenvereinen gewesen.

Finanzielle Sicherheit ist durch Lizenzvereine auch nicht immer gewährleistet: Das Frauenteam des Hamburger SV musste sich im vergangenen Jahr aus dem Spielbetrieb zurückziehen – aus finanziellen Gründen. Der Hauptsponsor war abgesprungen. Anja Perkuhn

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