Zejlko Obradovic : „Vielleicht sind seltsame Dinge passiert“

Athens Trainer Zejlko Obradovic über den Europaliga-Sieg mit Panathinaikos, Dreipunktewürfe in letzter Sekunde und einen Verdacht gegenüber Moskaus Aufholjagd.

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Foto: AFP

Herr Obradovic, Sie haben mit Panathinaikos Athen schon wieder die Basketball-Europaliga gewonnen. Würde es Sie nicht reizen, ein NBA-Team zu trainieren?

Ich bin sehr glücklich in Europa bei Panathinaikos. Die NBA ist ein Wettbewerb, den jeder gerne ansieht. Aber ich persönlich glaube, dass es einige Unterschiede gibt, weshalb ich dort nie hingehen würde. Zum Beispiel ist Basketball dort während der regulären Saison nur Show. Erst in den Play-offs werden die Spiele richtig gut. Hier in Europa ist es anders, hier ist jedes Spiel wichtig. Das ist unsere Welt.

Sie haben als einziger Trainer sieben Europaligatitel geholt. Wie schafft man das?

Es liegt an den Spielern. Beim ersten Mal mit Partizan Belgrad haben wir als jüngstes Team aller Zeiten die Trophäe gewonnen. Auch diesmal möchte ich mich wieder bei meinen Spielern bedanken. Ich bin im zehnten Jahr bei Panathinaikos und werde so lange weitermachen, wie ich die Kraft dazu habe. Diese Trophäe muss für uns eine Verpflichtung sein, wieder ins Finale zu kommen.

Ihr Team hat gegen ZSKA Moskau zur Halbzeit mit 20 Punkten geführt, und hätte beinahe doch noch mit dem letzten Wurf verloren. Wie konnte das passieren?

ZSKA hat in der zweiten Halbzeit aggressiver gespielt. Und ich möchte jetzt noch nicht genauer darüber sprechen, aber ich glaube, dass in der zweiten Halbzeit vielleicht seltsame Dinge passiert sind. Das ist mein Gefühl, aber ich bin mir nicht sicher. Ich werde mir das Spiel ansehen und dann darüber sprechen.

Wollen Sie andeuten, dass Basketball ein ähnliches Schiedsrichterproblem wie Handball haben könnte?

Ich kenne mich im Handball nicht aus. Ich werde mir die zweite Halbzeit noch einmal ansehen, weil ich hundertprozentig sicher sein will. Jeder macht Fehler, ob Spieler, Schiedsrichter oder Trainer. Wenn ich falsch liegen sollte, entschuldige ich mich dafür.

Hätte Ihr Team bei einer 73:71-Führung fünf Sekunden vor Schluss Moskaus Ramunas Siskauskas nicht foulen sollen, um ihm die Möglichkeit zum Dreier zu nehmen?

Generell interessiert mich nicht, was im Basketball in den letzten fünf oder zehn Sekunden passiert. Man hat vorher 39 Minuten und 55 Sekunden Zeit, um das Spiel für sich zu entscheiden. Im letzten Angriff aber kann alles passieren. Meine Entscheidung war, nicht zu foulen. Siskauskas ist ein großartiger Spieler, er hätte auch treffen können. Dann würde mich jetzt jeder angreifen. Aber ob eine Entscheidung richtig oder falsch war, hängt immer vom Ergebnis ab. Heute war es die richtige Entscheidung.

Hatten Sie beim Final Four nicht auch Glück, weil in Halbfinale und Finale jeweils der letzte und entscheidende Wurf des Gegners nicht reingefallen ist?

Wenn alle Titel, die Panathinaikos in den letzten zehn Jahren geholt hat, auf Glück beruhen, kann ich nur sagen: Ich hätte auch in Zukunft kein Problem, weiter Glück zu haben.

Aufgezeichnet von Benedikt Voigt.

Zeljko Obradovic, 49, hat mit Partizan Belgrad, Real Madrid und Panathinaikos die Europaliga insgesamt sieben Mal gewonnen. Serbien führte er 1997 zum EM- und 1998 zum WM-Titel.

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