Sport : ZEN ZU NULL Die volle Leere

NAME

Die Fußball-WM bedeutet mehr, als sich nur mit Bällen zu beschäftigen. Immer dienstags und freitags heben wir deshalb während der WM in Südkorea und Japan den Fußball auf eine höhere Ebene.

Blitz und Gewitter

Weit heraus treibt der Sturm

Den wogenden Kahn

Die Lichtung einer rundum gelungenen Aktion, wie anders als durch einen Haiku ließe sie sich sprachlich fassen. Jedoch, das eigentlich Entscheidende lässt sich nicht mit Worten sagen. Jeder Fußballfreund weiß das. Und wie die Gesänge, der Jubel und die Gesten für ihn nur Abbilder des Erlebten sind, so bleiben selbst Günter Netzers tiefe Analysen letztlich ein kümmerliches Mittel, das Wahrgenommene verstehbar zu machen.

Es geschah also wieder am helllichten Tag, Deutschlands Mittwoch, Sie wissen also genau, wovon ich spreche.

„Kein Spiel dauert 90 Minuten", dachte es noch in mir, als der Ball in gemächlicher Kurve übers Spielfeld flog, sich nach langem Wägen für den Kopf eines Iren entschied, um darauf mit seinem allzu vertrauten Schein des Notwendigen dort einzuschlagen, wo er vernünftigerweise nie hätte enden sollen.

Der junge Rasen:

Ein Ball, der gerade hineinspringt –

Des Netzes Zappeln

1:1. Ja, auch wir, alle 23 Mitglieder unserer methodisch meditierenden Fußballgruppe, saßen gemeinsam schweigend im Spiel versunken. In der Sekunde des Ausgleiches begriffen wir, begriffen einmal mehr, dass es diese schockhafte Unmittelbarkeit des Erfahrens war, die uns für immer an das WM-Zen binden würde. Nicht Schmerz, nicht Enttäuschung, nicht Frust überwältigten nämlich. Sondern jenes sprachferne Staunen, von dem der Meister sagt, es sei der Anfang und das Ende jedes Eindringens in die geistige Welt.

Sie haben es doch sicher auch ganz direkt am eigenen Leibe erfahren. In diesem Augenblick war Es nicht zu fassen. Nicht-Bewusstsein! Vollkommene Leere! Für anderes blieb in den Minuten danach kein Raum mehr im eigenen Geiste. Rein intuitiv haben wir sie in diesen Momenten also alle erlangt, die unmittelbare Einsicht (satori) in die Wirklichkeit unseres eigentlichen Wesens.

Danke, Irland! Mit deinem Schlag erkannten wir, wie wenig in uns steckt, wo wir eigentlich stehen. „Die WM ist ein Meister für Deutschland", sprach der Meister. Und ließ uns darauf mit verschränkten Beinen auf dem Boden der Tatsachen sitzen. Wolfram Eilenberger

0 Kommentare

Neuester Kommentar