Sport : ZEN ZU NULL Unbesiegbar erstarkt!

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Fußball ist Philosophie. Deshalb heben wir hier den Ball auf eine höhere Ebene.

„Die Brasilianer haben nicht begriffen, worum es im Fußball eigentlich geht. Noch spielen und hoffen sie wie Kinder. Doch nicht mehr lange“, sagt der Meister, der es offensichtlich ja von Anfang an gewusst hatte. Dass es nämlich - in WM und Zen - vor allem darum geht, „zu Null zu spielen“, lehrte er uns seit vier langen Wochen. Nur so stellen sich nachhaltiger Erfolg und Seelenfrieden ein. Die deutsche Mannschaft gibt ihm mehr als Recht. Lange von allen Ängsten erlöst, steht sie jetzt hell erleuchtet im Finale. Und tatsächlich gibt es kein Team, das sich den lokalen Anforderungen besser angepasst, das die fernöstliche Philosophie besser verinnerlicht hätte.

Was der Meister uns sogleich beweist, indem er die sieben Erfordernisse anführt, die nach Buddhas Lehre eine Gemeinschaft unbesiegbar erstarken lassen. „Die deutsche Nationalmannschaft“, stellt er fest, „erfüllt sie alle.“ Mit weiser Doppelspitze Völler/Skibbe umgeht sie nämlich die Täuschung der souveränen Alleinherrschaft, die den komplexen Charakter des Spiels verfehlen muss. Einträchtig werden Beschlüsse umgesetzt, wobei an bewährten Gesetzen stets festgehalten wurde. Die Alten werden geehrt (Kahn, Linke) und die Schwachen geschont (Ricken und Holland), alte Traditionen gepflegt (nicht spielen, gewinnen!) und einstmals Fremde herzlich aufgenommen (Neuville, Asamoah). Nachdrücklich wie Kahn betonte auch Buddha die potentzielle Gleichheit aller Spieler.

Nur wer diese Erfordernisse befolgt, vermag Unruhe, übergroße Erregung und schließlich tiefste Enttäuschung zu unterbinden. Allein mit dieser Ausrichtung vermag eine Mannschaft also zu erreichen, was ausgerechnet im Wappen der brasilianischen Fahne zentral geschrieben steht: ordem e progresso, Ordnung und Fortschritt. „Ein Land aber, das sich selbst missversteht“, schließt der Meister, „wird nicht Weltmeister". Er grinst leicht, als Zeichen, wie ernst es ihm mit dieser These sein muss. Und fügt, ganz still und weise, noch hinzu: „Zumindest nicht im Jahre 2006.“ Wolfram Eilenberger

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