Sport : Zentraler Abschirmdienst

Mit dem neuen Verteidiger-Duo Mertesacker/Naldo will Werder in Sofia siegen

Frank Hellmann[Bremen]

Als die Werder-Delegation am Bremer Flughafen den OLT-Charterflieger nach Sofia betrat, mussten Per Mertesacker und Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, wieder den Kopf einziehen. So wie es fast zwei Meter große Menschen vorsichtshalber immer tun, wenn sie die niedrigen Luken der Flugzeuge besteigen. Die beiden Abwehrhünen, je 1,98 Meter gewachsen, sind die größten Profis von Werder Bremen – und auf ihren Schultern ruhen auch die Hoffnungen, dass heute im Champions-League-Gruppenspiel bei Lewski Sofia der erforderliche zweite Sieg gelingt. Das Deckungs-Duo ist gemeinsam noch ungeschlagen: Seit Mertesacker und Naldo den zentralen Abschirmdienst bilden, hat Werder zudem in Bundesliga und Champions League 21 Treffer fabriziert und erst drei kassiert. „Bei uns stehen zwei Laternen hinten drin“, erklärt Tim Borowski, „die räumen alles weg.“ Gerade international gilt defensive Stabilität als Erfolgsgarant – auch gegen den Bulgarischen Meister, der selbst auf heimischem Terrain eher dem Konterfußball vertraut. „Wenn wir hinten gut stehen“, glaubt Mertesacker, „ist das die halbe Miete.“

Seitdem der Niedersachse nach seiner Fersenverletzung für Bremen aufläuft, ist das Abwehrproblem gelöst. All der Huldigungen der offensive Stärke, all der Preisungen des erlebnisreichen Fußballs zum Trotz – Werders wahrer Zugewinn basiert darauf, endlich die Balance zwischen berauschtem Angriffs- und bedachtem Zweckfußball hergestellt zu haben. Bestens zu besichtigen war dies beim Hinspiel gegen Sofia: Werder war überlegen, Werder war dominant – und geriet doch nie in Gefahr, ein Gegentor zu kassieren. Unter dem Strich stand ein souveräner wie unspektakulärer 2:0-Sieg.

Sein Debüt im Bremer Dress gab Mertesacker, der von Hannover 96 kam, am 27. September in der Champions League – und glänzte beim 1:1 gegen den FC Barcelona auf Anhieb. Trainer Thomas Schaaf ist selbst erstaunt, wie schnell zusammenwuchs, was offensichtlich zusammengehört. „Vom Typ her ähneln sich die beiden: Sie sind offen, sie reden miteinander, sie stimmen sich ab.“ Oft geschieht das mit kurzen Blicken, mitunter ertönen knackige Kommandos. In deutscher Sprache. Denn die Kommunikation wird dadurch vereinfacht, dass Naldo fleißig und erfolgreich Deutsch lernt. „Die Fußballersprache beherrsche ich, dazu kommt ein bisschen Körpersprache“, sagt der 24-jährige Naldo. „Wir funken auf einer Wellenlänge“, erläutert der 22-jährige Mertesacker. Wer der Chef der beiden ist? „Bei uns gibt es keinen Chef. Immer der, der besser steht“, sagt Naldo und lacht.

Es ist irgendwie kein Zufall, dass der talentierte, aber bis dahin doch auch arg wankelmütige Brasilianer endlich konzentriert-konstant auf höchstem Niveau agiert, seitdem der deutsche Nationalspieler neben ihm verteidigt. „Unser Spiel ist mit Per Mertesacker deutlich ruhiger geworden. Wir können mittlerweile ein Spiel kontrollieren und Geduld zeigen“, sagt Sportchef Klaus Allofs. Mertesacker bringt eine Qualität ein, die Frank Fahrenhorst nicht und Petri Pasanen nur vor seiner schlimmen Kopfverletzung im Vorjahr besaß. Nicht umsonst drängt auch Bundestrainer Joachim Löw darauf, den formstabilen Mertesacker für das Länderspiel in Zypern (15. November) wieder zu berufen. „Ich habe zwar noch Schmerzen“, sagt der sommers an der Ferse operierte Mertesacker, „aber es wird immer besser.“ Will heißen: Er steht wohl für die DFB-Elf – im Gegensatz zum Slowakei-Spiel – wieder bereit. Auf eine Nominierung für die nationale Auswahl muss Naldo hingegen noch warten: Der Profi, der sein Söhnchen Naldinho genannt hat, ist zwar im Blickfeld von Brasiliens Trainer Carlos Dunga, doch noch stehen die Bundesliga-Profis Lucio und Juan höher im Kurs. Das könnte sich bald ändern: Neben hervorragenden Leistungen hat Naldo im Oktober auch zwei Bundesliga-Tore und einen Freistoßtreffer in der Champions League vorzuweisen – es war das 1:0 gegen Sofia.

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