Sport : Zentraler Druck

Boateng muss erstmals Herthas Spiel gestalten

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wenn sich die Qualität eines Spielers an der Anzahl von Autogrammjägern ablesen ließe, dann wäre Kevin-Prince Boateng bereits der wichtigste Spieler von Hertha BSC – der 19-Jährige musste gestern Vormittag auf dem Vereinsgelände mehr als eine Viertelstunde lang Autogramme schreiben, so lange wie kein anderer. Als Gradmesser für die Fähigkeiten eines Profis hält das jedoch nur bedingt her: Jörg Blüthmann wurde ebenfalls minutenlang zum Beschriften von Textilien gezwungen. Blüthmann ist Physiotherapeut.

Dennoch: Boateng ist wichtig für Hertha BSC. Vor dem letzten Bundesligaspiel der Berliner in dieser Saison am Sonnabend beim 1. FC Nürnberg wird das besonders deutlich. Für Hertha geht es darum, den sechsten Tabellenplatz zu verteidigen, der zur Teilnahme am UI-Cup berechtigt. Da Yildiray Bastürk wegen einer Muskelverletzung ausfällt, Andreas Neuendorf und Marcelinho gesperrt sind, bleibt für die Position im zentralen offensiven Mittelfeld nur Kevin-Prince Boateng übrig.

Bei den Profis durfte Boateng in 20 Einsätzen noch nicht auf dieser Position spielen. Dabei ist der Sohn eines aus Ghana stammenden Vaters und einer deutschen Mutter genau dafür ausgebildet worden. Seine technischen Fertigkeiten prädestinieren ihn für eine Rolle als Spielmacher, langfristig ist er dafür auch vorgesehen. „Bei den Profis auf dieser Position zu spielen, ist mein Traum“, sagt er. Seit zwei Jahren muss sich Boateng im defensiven Mittelfeld durchsetzen, in der vergangenen Saison in Herthas Regionalliga- Mannschaft, in dieser Spielzeit bei den Profis. „Sein Zweikampfverhalten sollte dadurch gestärkt werden“, sagt Trainer Falko Götz.

Boateng durchlief, abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei den Reinickendorfer Füchsen, sämtliche Jugendmannschaften von Hertha. Dort war er stets der Talentierteste. Und weil Herthas Nachwuchsteams in ihren jeweiligen Altersklassen häufig gewinnen, „war Kevin in der Defensive nicht besonders gefordert“, sagt Götz. Die Erträge der neuen Schule im defensiven Mittelfeld sind inzwischen erkennbar. „Sein Abwehrverhalten ist deutlich besser geworden“, sagt Götz. Eine Stärke Boatengs sei seine Aggressivität, diese soll er maßvoll einsetzen. Das gelang Boateng bisher nur bedingt. In Herthas Regionalligamannschaft war er in der Vorsaison zweimal vom Platz geflogen. Bei den Profis fiel er Mitte Januar durch einen Platzverweis im Testspiel gegen Burghausen sowie mit einer gelb-roten Karte im Februar im Uefa-Cup gegen Bukarest auf. Seitdem nimmt Boateng mehrmals wöchentlich Persönlichkeitstraining.

Ob das Boateng verändert hat, vermag sein Mitspieler Malik Fathi nicht genau zu sagen: „Ich glaube, er hat auch einfach so gemerkt, dass du dir bei den Profis keine Ausbrüche leisten kannst.“ Auch gegen Nürnberg sollte sich Boateng in Zweikämpfen beherrschen. Der Druck auf die Berliner und ihren zentralen Mittelfeldspieler wird hoch sein.

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