Sport : Zerschlagene Verbindung

Heute entscheidet ein Gericht, ob die Klitschkos noch ein paar Monate für Promoter Kohl boxen müssen

Michael Rosentritt

Berlin - Witali Klitschko wird heute sein Handy besonders im Auge behalten. Nachdem der Ukrainer am vergangenen Wochenende seinen WBC-Titel im Schwergewicht gegen den Briten Danny Williams in Las Vegas erfolgreich verteidigt hat, war der 33 Jahre alte Boxer gestern zum Zeichen seiner Verbundenheit mit Oppositionsführer Juschtschenko in seine Heimat nach Kiew gereist. Dort erwartet er heute einen wichtigen Anruf seiner Anwälte. Am Hamburger Landgericht wird ein Urteil verkündet, das für ihn von großer Bedeutung ist.

Der fast ein Jahr andauernde Rechtsstreit zwischen dem boxenden Brüderpaar Witali und Wladimir Klitschko aus Kiew und ihrem langjährigen Promoter und Chef des Hamburger Boxstalls Universum, Klaus-Peter Kohl, geht in die vorerst letzte Runde. Der zuständige Richter Kai Mückenheim wird verkünden, ob das Vertragsverhältnis zwischen den Klitschkos und Kohl zum 30. April 2004 beendet war. So sehen es die Boxer. Kohl hingegen vertritt die Ansicht, dass sich der Vertrag um die Dauer von Ausfallzeiten, also Verletzungen und Krankheiten, verlängert, für Wladimir bis Februar 2005, für Witali bis Mai 2005.

In den zurückliegenden Monaten trafen sich beide Parteien mehrfach vor Gericht. Welches Urteil heute auch verkündet wird, die unterlegene Seite wird Rechtsmittel einlegen. Mit einer Entscheidung des Oberlandesgerichts ist nach Auffassung von Sebastian Cording, dem Rechtsvertreter der Klitschkos, nicht vor Juni 2005 zu rechnen. Einfluss auf die Kampfplanung der Klitschkos werde das Urteil nicht haben. Laut Cording plant Wladimir einen Kampf für frühestens März 2005, Witali müsste erst im Juni 2005 seinen WM-Titel verteidigen. Das Einzige, was auf die Klitschkos bei einer Niederlage zukäme, wäre eine Forderung Kohls auf Schadensersatz.

Bereits Anfang Mai 2004 hatten die Klitschkos erklärt, nie wieder für Universum zu boxen. Zudem unterbreiteten sie Promotor Kohl mehrere Vergleichsangebote. Zuletzt war von einer Zahlung in Höhe von zwei Millionen Euro die Rede. Kohl hatte das bisher stets abgelehnt und den Klitschkos mehrmals Kampftermine angeboten. Darauf wiederum waren die Klitschkos nicht eingegangen.

Seit dem 30. April, dem möglichen Vertragsende, haben beide Boxer je einmal geboxt. Wladimir am 2. Oktober 2004 gegen DaVarryl Williamson und Witali eben am vergangenen Wochenende. Letzteren Kampf übertrug erstmals die ARD und nicht wie bisher Kohls Partner, das ZDF. Vor einem Monat waren die Klitschkos eine Kooperation bis Ende 2005 mit Promoter Wilfried Sauerland eingegangen, dem Rivalen von Klaus-Peter Kohl. Sauerlands Fernsehpartner ist die ARD.

Gedanklich hat Kohl sich längst von seinen einstigen Aushängeschildern getrennt. Wie viele Millionen beide in den acht Jahren, in denen sie bei Kohl unter Vertrag stehen, tatsächlich verdient haben, weiß niemand. Als Kohl vor ein paar Monaten in Anwesenheit der Brüder vor dem Gericht aussagte, er habe beiden Boxern „30 Millionen mehr gezahlt, als ich ihnen hätte geben müssen“, kam von den Klitschkos kein Widerspruch.

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