Sport : Zetern und siegen

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Karsten Doneck über die neuen Perspektiven des Hamburger SV

Das Lied dröhnt schon lange nicht mehr durch die AOLArena. Der Refrain will halt so gar nicht zur aktuellen sportlichen Lage passen. Werder Bremen ist mit 22 Punkten Vorsprung enteilt, da kann man beim Hamburger SV wohl schlecht die CD der Gruppe „Hamburger Jungs“ auflegen mit dem Titel: „Wir sind die Könige des Nordens“. Nein, Könige sind sie beim HSV schon lange nicht mehr, aber so ein bisschen schielt das verwöhnt-kritische Publikum nun doch schon wieder auf die Teilnahme am Uefa-Pokal: Klaus Toppmöller sei Dank.

Unter Trainer Kurt Jara dümpelte der HSV am Saisonanfang noch dort, wo auch Hertha BSC nie sein wollte – im unteren Drittel der Tabelle. Jara musste gehen, ein 0:4 in Kaiserslautern war den Verantwortlichen ein bisschen zu viel des Schlechten. Toppmöller kam, sah, sammelte Punkte. In 13 Spielen unter seiner Regie hat der HSV erst dreimal verloren, aber schon sechs Siege eingefahren.

Es gab schon Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kamen, dass Trainerwechsel im Fußball allenfalls kurzfristige Erfolge bewirken. Werden diese empirischen Studien beim HSV außer Kraft gesetzt? Es ist Toppmöllers mitunter verbissene Art, die den Erfolg ausmacht. Als der HSV unlängst durch ein Tor in der 87. Minute beim FC Bayern 0:1 verloren hatte, wären andere Trainer schnell zu ihrem Tagesgeschäft übergegangen – mit dem Argument, man dürfe beim Deutschen Meister ja wohl knapp verlieren. Toppmöller aber zeterte und fluchte. Dieses bisschen mehr an Ehrgeiz hat Toppmöller auf seine Spieler übertragen. Seither läuft’s. Da mögen die Wirkungen eines Trainerwechsel empirisch noch so sehr angezweifelt werden.

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