Sport : Zeuge ohne Schutz

Beim DFB wird Schiedsrichter Felix Zwayer als Lügner bezeichnet – obwohl er als Aufklärer des Manipulationsskandals gilt

Tanja Buntrock,Friedhard Teuffel

Berlin - Vielleicht würde Robert Hoyzer heute noch Fußballspiele pfeifen, wenn Felix Zwayer sich nicht dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) anvertraut hätte. Seitdem gilt Zwayer als Kronzeuge gegen seinen früheren Schiedsrichterkollegen Hoyzer. Bezahlt gemacht hat sich dieser Mut für Zwayer bislang aber noch nicht. Fußballspiele darf der 23-Jährige zurzeit nicht pfeifen, die Staatsanwaltschaft hält ihn immer noch für einen von mehr als 20 Beschuldigten im Skandal um manipulierte Begegnungen, und jetzt hat ihn auch noch der Deutsche Fußball-Bund angegriffen. Horst Hilpert, der Vorsitzende des Kontrollausschusses, sieht einen „dringenden Verdacht eines unsportlichen Verhaltens im Zusammenhang mit den Manipulationen“. Er sei sich nicht sicher, „ob nicht auch in Richtung Zwayer Gelder geflossen sind“, sagte Hilpert.

Zwayer genießt also im Moment kein Vertrauen beim DFB. „Felix ist völlig fertig. Damals wurde ihm von Entscheidungsträgern des DFB Rat und Schutz zugesichert. Das hat man später offensichtlich vergessen, niemand hat sich um ihn gekümmert“, bemängelt Zwayers Rechtsanwalt Uwe Freyschmidt und ergänzt: „Sobald er einmal als Zeuge nicht das sagt, was die Ermittlungen vorantreibt, wird er als Lügner beschimpft und des unsportlichen Verhaltens verdächtigt.“ Dass Zwayer lüge, hatte ihm Hilpert in der Verhandlung des DFB-Sportgerichts am Mittwoch vorgeworfen.

Offenbar sind die Ermittler des DFB enttäuscht, dass Zwayer ihnen bei der Aufklärung gegen Schiedsrichter Dominik Marks nicht genauso weiterhelfen kann wie im Fall Hoyzer. Der DFB zweifelt vor allem an Zwayers Darstellung eines Gesprächs, das er vor dem Zweitligaspiel zwischen Karlsruhe und Duisburg im Dezember 2004 mit Marks geführt hatte. Dieses Spiel soll von Marks manipuliert worden sein, eine Entscheidung darüber will das DFB-Sportgericht am Dienstag treffen. Marks habe ihn beim Essen gefragt: „Sag mal, hast du schon mal gehört, dass man sich bei einem Spiel was dazuverdienen kann?“ So berichtete es Zwayer vor dem Sportgericht und erklärte zudem, dass er sich auf dieses Gespräch nicht eingelassen habe. „Ich will gar nicht wissen, wovon du sprichst“, soll er Marks entgegnet haben. Dann habe Marks einen Anruf erhalten, damit sei das Gespräch beendet gewesen.

Rainer Koch, der Vorsitzende des Sportgerichts, wollte sich damit nicht zufrieden geben: „Dass Sie Herrn Marks nicht direkt darauf angesprochen haben, ist schwer verständlich.“ Zwayers Anwalt Freyschmidt sagt nun: „Es war ein seltsames Gespräch, aber es ist offensichtlich nichts weiter zu Manipulationen gesagt worden. Felix Zwayer hat seine Erinnerungen geschildert. Es ist nicht seine Aufgabe, sich darüber hinaus an den Vorwürfen gegen Marks zu beteiligen.“ Zu Hilperts Äußerungen bemerkt Freyschmidt noch: „Bei allem Verständnis für den Ermittlungseifer des DFB sollte man nicht auf diese Weise Druck auf den Zeugen ausüben. Wenn es weitere potenzielle Zeugen gibt, werden die sich angesichts der Behandlung meines Mandanten Gedanken machen.“ Das könne der erwünschten Aufklärung des Skandals nicht dienlich sein.

Dominik Marks sitzt zurzeit in Untersuchungshaft, weil er Ende 2004 an der Manipulation von drei Fußballspielen beteiligt gewesen sein soll. Er war am 9. März vor seiner Wohnung in Berlin-Friedenau festgenommen worden. Einen Antrag auf Haftprüfung zog Marks’ Anwältin Astrid Koch am Donnerstag zurück. Bei einem zweistündigen Gespräch mit der Staatsanwaltschaft hätten sich „Umstände ergeben, die das erforderlich gemacht haben. Das wollte ich zunächst einmal mit meinem Mandanten besprechen“, sagte Koch dem Tagesspiegel. Es sollen weitere Unterlagen dazugekommen sein, die sie erst durcharbeiten wollte.

Der nächste Haftprüfungstermin ist für Anfang April angesetzt. Hätte die Rechtsanwältin die Haftprüfung nicht zurückgezogen und die Justiz eine Haftverschonung abgelehnt, wäre der nächste Haftprüfungstermin erst in drei Monaten möglich gewesen. Zu den Vorwürfen gegen ihren Mandaten wollte sich Astrid Koch gestern nicht äußern.

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