Sport : Zickenzoff ohne Zicken

Frank Bachner

über den Streit vor der Eisschnelllauf-WM Claudia Pechstein wirbt für einen Autokonzern, für Haarwaschmittel, für eine Modemarke, für einen Sekthersteller und für Vitamin-Produkte. Und, ach ja, für einen Schmuckhersteller auch noch. Das hat nicht bloß damit zu tun, dass sie eine exzellente Eisschnellläuferin ist. Eine Topathletin war sie schon, als sie noch fast unbeachtet über das Eis gleitete. Zur PR- und Werbefigur stieg Pechstein erst auf, als ihre Konkurrentin Anni Friesinger den so genannten Zickenzoff entfachte. Der füllte die Sportteile der Boulevardzeitungen, spaltete die Fans in Pechstein- und Friesinger-Anhänger und entzückte die Manager der Hauptdarstellerinnen. Seit den Olympischen Winterspielen 2002 hätten sich die Werbeeinnahmen von Pechstein verdoppelt, verkündete ihr Manager stolz.

Früher nutzte der Streit auch der Sportart. Das ZDF stieg groß ein, die Quoten waren gut, die Sponsoren-Logos für Millionen Zuschauer präsent. Doch der öffentliche Streit, den Pechstein jetzt forciert, schadet der Sportart eher. Im Fokus ihrer Kritik steht nun Helmut Kraus, der Chef-Bundestrainer. Doch der 61 Jahre alte, unauffällige Mann taugt nicht als medialer Widerpart der Olympiasiegerin. Der Krach ist zu kompliziert für bunte Schlagzeilen, die Rollen von Gut und Böse sind nicht klar zu erkennen. Der WM in Inzell bringt das Theater zwar kurzzeitig neue Aufmerksamkeit, aber den Fans dürfte der kleinkarierte Streit um Eitelkeiten schnell auf die Nerven gehen. Sie wollen Sport sehen, Medaillen, spannende Duelle.

Claudia Pechstein kann ihren Teil dazu beitragen. Sie müsste nur ihre Kritik intern anbringen – und sich öffentlich als Sportlerin präsentieren.

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