Sport : Zidane bringt Pech

Lena Schöneborn wird im MODERNEN FÜNFKAMPF zum Abschluss nur 15.

Erik Eggers[London]
Fehlgriff. Peking-Siegerin Lena Schöneborn wurde der Hengst „Zidane“ zugelost, der am ersten Hindernis vorbeilief. Foto: Reuters
Fehlgriff. Peking-Siegerin Lena Schöneborn wurde der Hengst „Zidane“ zugelost, der am ersten Hindernis vorbeilief. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Fassungslos war sie, schüttelte wieder und wieder den Kopf. Aber natürlich strahlte Laura Asadauskaite, als sie, umjubelt von der großen Kulisse des Greenwich Parks, das Zielband in die Kamera reckte. Die letzte Entscheidung dieser 30. Olympischen Spiele, der Moderne Fünfkampf der Frauen, sah mit der 28-Jährigen eine zweite litauische Olympiasiegerin – zuvor hatte die 15 Jahre alte Brustschwimmerin Ruta Meilutyte die Weltklasse düpiert. Asadauskaite freilich ist kein Nobody der Szene: Die 28-Jährige ist Europameisterin. Nun rannte sie zu olympischem Gold. Die Berlinerin Lena Schöneborn lief ebenfalls stark, kam aber durch ihre mäßigen Vorleistungen lediglich als 15. ins Ziel.

Schöneborn, die Olympiasiegerin von Peking 2008, war als letzte deutsche Goldhoffnung an den Start gegangen. Doch schon bei der ersten Disziplin Fechten lief es nicht so wie in Peking. Damals konnte sie 28 der 35 Gefechte für sich entscheiden. Nach drei Stunden in der Copperbox stand eine mäßige Bilanz von 19 Siegen und 16 Niederlagen. Da ahnte Schöneborn bereits, dass es ein schwieriger Wettkampf werden würde.

Als große Enttäuschung empfand die 26-Jährige dann ihre Leistung im 200 Meter-Freistilschwimmen, der zweiten Disziplin. Nach 2:19,76 Minuten schlug sie als Letzte ihrer Gruppe an, gut drei Sekunden über ihrer Bestleistung. Das war nur der 22. Platz in dieser Konkurrenz. „Das war jetzt ’ne Katastrophe“, sagte die Studentin spürbar geknickt.

Es folgte das Springreiten, das traditionsgemäß eine Lotterie im Modernen Fünfkampf ist: Die Athletinnen bekommen die Pferde zugelost. Auch mancher olympischer Wettkampf entpuppte sich als Farce, so etwa 2004 in Athen, als die Pferde offensichtlich schlecht ausgebildet waren und reihenweise die Sprünge verweigerten. In London waren die Bedingungen fair, aber Schöneborn hatte etwas Pech mit „Zidane“. Der Hengst zeigte sich ähnlich eigenwillig wie der ehemalige Fußballstar – und galoppierte fröhlich an dem ersten Hindernis vorbei. Neben den Abzügen für die überschrittene Zeit kassierte die 26-Jährige auch noch einen Fehler. Vor dem letzten Event lag sie auf dem 21. Platz, umgerechnet 59 Sekunden zurück.

„Combined“, der abschließende Geländelauf mit Pistolenschießen, hat aus dem Fünfkampf laut Schöneborn einen „anderen Sport“ gemacht. Seit 2009 bildet nicht mehr der 3000-Meter-Geländelauf das Finale dieser Sportart, die 1912 von Baron de Coubertin initiiert wurde. Nun ist es eine Art Sommerbiathlon: Dreimal stoppen die Athleten ihren Lauf und schießen per Laserwaffe solange auf die Scheiben, bis sie fünfmal treffen. „Ich bin die lange Distanz einfach lieber gelaufen als dreimal 1000 Meter. Das ist eine ganz andere Belastung“, hatte Schöneborn schon vor London gesagt.

Aber die International Union of Modern Pentathlon hatte ihren Sport reformieren müssen, nach sanftem Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Andernfalls hätte ein Ausschluss aus dem olympischen Programm gedroht. Zu unmodern, zu wenig fernsehtauglich, lauteten die Vorwürfe. Gemessen an den steigenden Zuschauerzahlen ist die Sportart attraktiver geworden.

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