Sport : Ziele: Olympia - Traumstadt - Jahrtausendwechsel

ERNST PODESWA

Jana Kandarr hat einer Model- und Sexy-Vermarktung abgesagt und will nach Sydney 2000VON ERNST PODESWA Berlin.Der Medienrummel um Jana Kandarr (Foto: AP) ist weit geringer als 1995.Klar, Kids bekommen nach dem Training ihre Autogramme.Doch von Bodyguards - wie vor zwei Jahren - diesmal keine Spur."Ich bin sehr froh darüber.Denn ich setze mich selbst genug unter Druck.Wenn das noch von den Medien kommt, wird es belastend.Ich mache lieber in Ruhe mein Ding, möchte vor allem Spaß am Tennis haben", sagt die in Halle/Saale aufgewachsene und nach der Wende mit den Eltern nach Karlsruhe umgesiedelte Tennis-Profispielerin. Die Herkunft spielte eine Rolle bei der Vereinnahmung durch die Boulevardpresse vor 24 Monaten."Die neue Steffi Graf aus dem Osten" hieß es da, als die unbekümmert aufspielende Aufsteigerin in Hamburg für Furore sorgte und als Nr.126 der Weltrangliste bis ins Viertelfinale vordrang.Das und das attraktive Äußere der 1,80 m großen Newcomerin lösten ein ungewöhnliches PR-Echo aus."Die PR-Branche, genervt von übergewichtigen Spielerinnen, jagt die grazile Wahl-Heidelbergerin mit lukrativen Werbeverträgen", stelzte das Magazin "Focus".Eine bißchen genoß die Gymnasiastin diese Aufmerksamkeit, denn "welches junge Mädchen fühlt sich nicht in ihrer Eitelkeit bestätigt." Und sie nutzte die ihr angebotenen Verträge bis heute, um "meine Tenniskarriere und seit eineinhalb Jahren einen eigenen Trainer (Michael Robertson aus Südafrika/ d.A.) zu finanzieren." Doch den Blick für "meine eigentlichen" (sportlichen) Ziele verlor sie nicht aus den Augen: "Ich möchte, daß die Tennisspielerin Jana Kandarr wegen ihres Spiels und ihrer Leistungen anerkannt werde und nicht wegen meines Aussehens", wiederholte sie hartnäckig.Und widerstand den Angeboten des Managers Werner Köster, dessen Spezialität die Vermarktung über "lange Beine" und "sexy Ausstrahlung" ist."Ich habe die Vermarktung IMG übertragen.Das sind Profis, die sich im Tennis auskennen und mich optimal beraten können." Allerdings ist aus dem PR-Wirbel noch eine Sache hängengeblieben, die "Sauspaß macht und mir die finanzielle Basis für das Tennis unabhängig von Preisgeldern gibt." Zweimal im Jahr gibt es Fototermine mit der Firma "Windsor", die eine "junge Bekleidungslinie" offeriert.Auch das Abitur hat sie nach Verlassen des Gymnasiums nicht aus den Augen verlassen.Dazu sind noch zwei Jahre an der Abitur-Fernschule AKAD nötig. Hauptfeld ihres Ehrgeizes ist zur Zeit aber die Entwicklung der Tenniskarriere: "Ich möchte eines Tages in die deutsche FedCup-Mannschaft kommen und mich für Olympia Sydney 2000 qualifizieren." Als 55 der Welt (vor acht Tagen) hat die Tochter der dreifachen Leichtathletik-Europameisterin von 1969, die aber wegen Verletzung keine Olympische Spiele aktiv bestritt: "Natürlich spielt mit, daß ich mir den Traum meiner Mutter erfüllen möchte.Zudem ist Sydney neben Paris und Rom meine Lieblingsstadt, und außerdem Olympische Spiele zu Jahrtausendwende - wenn das nichts ist."

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