Sport : Zielen unter Flutlicht

Biathleten sind von Abendrennen wenig begeistert

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Oberhof - Geliebt werden sie von den Biathleten nicht, trotzdem nimmt die Zahl der Nachtrennen im Weltcup zu. Waren es im Vorjahr nur zwei Weltcup-Entscheidungen in Ruhpolding unter Flutlicht, sind es im olympischen Winter bereits vier – je zwei Rennen in Oberhof und in Ruhpolding. „Ich sehe es positiv. Am Abend können mehr Zuschauer ins Stadion kommen und auch vor dem Fernseher haben mehr die Chance, sich die Rennen anzusehen als während der normalen Arbeitszeit am Vormittag“, erklärt Michael Greis, der Schlussläufer der deutschen Staffel, die Vorteile der Rennen unter künstlicher Beleuchtung.

Vor 15 500 Zuschauern in der Rennsteigarena war es auch der Biathlet aus Nesselwang, der den Weltcup-Erfolg des deutschen Quartetts vor Russland und Weißrussland am frühen Mittwochabend sicherte. Greis gelang es, von dritter Position noch auf Platz eins vorzulaufen. „Das war schon faszinierend, was der Michael hintenraus gemacht hat“, zollte ihm Bundestrainer Frank Ullrich nach dem Rennen ein Sonderlob. Am Fernsehschirm verfolgten 3,82 Millionen Zuschauer die spannende Staffel. Das entspricht einem Marktanteil von 18 Prozent. Das Staffelrennen der Frauen fand erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe statt – erneut unter Flutlicht.

Die Mehrzahl der Skijäger hat jedoch Bedenken wegen der späten Starts. „Ich starte lieber am Morgen, so zwischen zehn und elf Uhr“, sagt Pawel Rostowzew. „Doch ein- bis zweimal pro Saison kann man das verkraften.“

Ähnlich sieht es Sven Fischer. Der Oberhofer fordert dafür aber gut durchdachte Zeitpläne. „Okay ist es, wenn der Tag darauf so wie hier in Oberhof oder auch in Ruhpolding wettkampffrei ist. Abends Wettkampf und dann am nächsten Morgen bereits wieder ein Start, das geht nicht“, erläutert Fischer. Ganz entschieden lehnt er Vorschläge ab, sogar Mitternachtsrennen auszutragen. „Das wäre reine Show aus der Rubrik Brot und Spiele“, sagt der Thüringer.

Bundestrainer Frank Ullrich stören die unterschiedlichen Wettkampfzeiten aus einem anderen Grund. „Die ständigen Wechsel machen den Athleten Probleme mit dem Bio-Rhythmus. Besser wären immer wieder einheitliche Startzeiten. Darauf können sich die Sportler besser einstellen“, begründet Ullrich. Das soll auch ein Thema bei der nächsten Sitzung des Athleten-Komitees sein. In das Gremium wurden von allen Weltcup-Startern neben Rostowzew noch die Norweger Gunn Margit Andreassen und Ole Einar Björndalen sowie die Tschechin Katerina Holubcova gewählt. dpa

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