Sport : Zimmer mit Aussicht

Volleyballer Marco Liefke kehrt aus Italien zurück

Karsten Doneck

Berlin - Das Städtchen Taviano liegt in Süditalien, es gehört zu der Provinz Lecce. Knapp 13 000 Einwohner leben dort. Die Straßen sind eng, die vielen Autos quetschen sich mühsam aneinander vorbei, Abgase verpesten die Luft. Trotzdem schwärmt Marco Liefke: „Das Wetter dort war toll. Und ich hatte aus meinem Zimmer eine sensationelle Aussicht aufs Meer. Und das war immerhin sechs, sieben Kilometer entfernt. Und dann diese Sonnenuntergänge, fantastisch.“ Liefke wohnte in einer oberen Etage des einzigen Hochhauses von Taviano, genau neun Monate lang. So lange lief sein Vertrag als Volleyball-Profi beim italienischen Zweitligisten Salento D’Amare Taviano Volley. Jetzt kehrte der frühere Diagonalangreifer und Nationalspieler des SC Charlottenburg nach Berlin zurück. Mit Beachvolleyball hält er sich den Sommer über fit, um danach eine neue Herausforderung anzugehen, wieder irgendwo im Ausland.

Liefke ist 32 Jahre alt. Acht Jahre lang war er beim Bundesligisten SCC die Person gewesen, an der sich die Mannschaft oft genug orientierte und aufrichtete: Liefke hier, Liefke dort. Doch am Ende der Saison 2005/06 stand den Charlottenburgern der Sinn nach einem Umbruch. Für Liefke war kein Platz mehr im Team. Ihm kam das gar nicht mal ungelegen. „Wenn ich noch mal ins Ausland gehen will, um etwas Neues kennenzulernen, dann muss ich das jetzt tun“, sagte der gebürtige Schweriner damals kämpferisch. Italien lockte. Der Zweitligist in Taviano galt als aufstrebender Klub, Jahr für Jahr hatte er sich aus den Niederungen des italienischen Volleyballs nach oben gearbeitet. Keine schlechte Adresse also. Doch als Liefke Ende April heimkehrte, war die Begeisterung über das erwartete Abenteuer einer gewissen Ernüchterung gewichen.

„Ich bin nicht als Tourist in Italien gewesen“, stellt Liefke klar. Er wurde Stammspieler, aber ein stabilisierender Pol bei den äußerst schwankenden Leistungen seiner neuen Mannschaft wurde auch er nicht. Vor allem brauchte Liefke eine gute Kondition, denn von 30 Spielen ging fast die Hälfte über die volle Distanz von fünf Sätzen. Lange war Liefke Topscorer der Liga, am Ende wurde er zweitbester Scorer. „Das lag auch daran, dass wir mehr Sätze gespielt haben als die anderen“, gibt Liefke zu.

Seine Punkte brachten aber der Mannschaft nicht den gewünschten Erfolg. Sponsoren reagierten sauer, dass sich die hohen Erwartungen nicht erfüllten, an allen Ecken und Enden loderten Brandherde auf. Irgendwann wurde, wie das so üblich ist, der Trainer gefeuert. Und in der Kabine überwog oft statt sachlicher Analyse wütendes Geschrei. Glück für Liefke: Er bekam im Detail nicht alles mit. Um sein sprachliches Fortkommen hatte sich im Verein keiner gekümmert, was insofern verwunderlich war, als in der Mannschaft nicht Englisch, sondern Italienisch die Umgangssprache war. „Manchmal habe ich nur die Hälfte verstanden“, sagt Liefke. Als Autodidakt hatte er sich das Grundlagenwissen an italienischem Vokabular erarbeitet.

„Die ganzen Strukturen beim Volleyball in Italien hatte ich mir professioneller vorgestellt“, sagt Liefke. Der Abschied aus Taviano fiel ihm deshalb auch nicht allzu schwer. Und während Liefke nun in diesem Sommer mit wechselnden Partnern bei kleineren Beachvolleyballturnieren spielt, ist sein Berater auf der Suche nach einer neuen Aufgabe für ihn für die nächste Hallensaison. Der Mann ist mit klarem Auftrag unterwegs. „Norditalien wäre ganz schön, oder auch Korea oder Japan würde ich mal ganz lustig finden“, sagt Liefke. Eine erste vage Anfrage gibt es – aus Polen. „Warum nicht?“, fragt Liefke. Ein Zimmer mit Aussicht wäre ihm aber auch dort eine willkommene Annehmlichkeit.

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