Sport : Zittere, Netz, zittere!

Frankreich will heute in Israel endlich ins Tor treffen

Christian Tretbar,Raphael Honigstein[Tel Aviv]

Als das Spiel zu Ende war, füllte sich das Stade de France mit einem 80 000-fachen Seufzer. Wieder einmal machten sich die Fans am Samstag in Paris auf den Heimweg, ohne einen Treffer gesehen zu haben. Das 0:0 gegen die Schweiz war das dritte torlose Unentschieden der französischen Nationalelf im dritten WM-Qualifikationsheimspiel. Zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren wird Frankreich in dieser Saison ohne Heimsieg bleiben. Schlimmer noch: Die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland ist gefährdet. Derzeit ist Frankreich punktgleich mit Irland und Israel nur Tabellenzweiter. „Jetzt dürfen wir uns keinen Ausrutscher mehr erlauben“, stellte Raymond Domenech vor dem heutigen Spiel in Israel klar.

Als Domenech im August 2004 französischer Nationaltrainer wurde, gab er folgendes Motto aus: „Wir müssen zunächst eine solide Abwehr aufbauen, um voranzukommen.“ Das hat er erreicht, die Franzosen haben in der WM-Qualifikation noch kein einziges Tor kassiert. Doch so recht kann sich in Frankreich an dieser Statistik niemand erfreuen – das Team hat schließlich selbst erst vier Treffer erzielt.

Das stört auch den Coach. Was ihn aber noch mehr ärgert ist die Tatsache, dass „bis zum Anpfiff ganz Frankreich versteht, dass wir im Umbruch sind, aber wenn mal zwei Pässe nicht ankommen, schreien die Leute sofort nach Zinedine Zidane“. Der frühere Welt- und Europameister war wie viele andere Stars nach der EM 2004 aus der Nationalelf zurückgetreten. Nur langsam lernt das Team, ohne seinen einstigen Kopf zu bestehen. Zwar präsentierte es sich gegen die Schweiz spielerisch verbessert, vergab aber auch reihenweise beste Möglichkeiten.

Vieles passt noch nicht zusammen. Thierry Henry, der gegen die Schweiz wegen einer Wadenverletzung pausieren musste, ist ein gutes Beispiel dafür. Der Torjäger gehört beim FC Arsenal zu den gefährlichsten Stürmern der Welt, doch sobald er das blaue Trikot trägt, trifft er nicht mehr. Seinem Sturmpartner David Trezeguet ergeht es ähnlich: Am Samstag hatte er die beste Chance des Abends auf geradezu kläglich Weise vergeben.

In Tel Aviv erwartet die angeschlagene Elf eine schwierige Aufgabe. Frankreich ist wegen seiner Israel-kritischen Haltung nicht besonders beliebt in Israel. Besonders dürfte das Torhüter Fabien Barthez zu spüren bekommen, der sich negativ über Israels Politik geäußert hatte. Domenech ist deshalb bemüht, den Druck ein wenig zu reduzieren. „Das ist sicher ein wichtiges Spiel, aber das entscheidende Spiel findet erst im Oktober in der Schweiz statt“, sagt er. „Und irgendwann werden wir das Netz auch wieder zum Zittern bringen.“ Andernfalls steht Frankreich am Ende zwar vielleicht ohne Gegentor, aber auch ohne WM-Ticket da.

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