• Zittern und Zagen - Wie Hertha BSC am Mittwoch zwischen Champions League und Uefa-Cup pendelte

Sport : Zittern und Zagen - Wie Hertha BSC am Mittwoch zwischen Champions League und Uefa-Cup pendelte

Benedikt Voigt

Mittwoch, 19.45 Uhr, Ortszeit London. Die Hauptdarsteller im Stadion an der Stamford Bridge nehmen Aufstellung. Hans-Georg Felder, Pressesprecher von Hertha BSC, setzt sich vor zwei Monitore, die tm 3 hinter der Ersatzbank von Hertha BSC aufgebaut hat. In seinem rechten Ohr steckt ein Kopfhörer über den er ebenfalls Informationen aus Istanbul erhält. Vor ihm, unter einer großen Plexiglaushaube, nimmt Trainer Jürgen Röber Platz. Manager Dieter Hoeneß stellt sich in den schmalen Gang, der zu den Kabinen führt, und der junge Fan im Hertha-Trikot mit der Aufschrift "Preetz" wartet auf den Anpfiff. Den 21 Spielern in den kurzen Hosen und dem einen in der langen kommen an diesem Abend, den Hertha-Präsident Walter Müller später als "historisch" bezeichnet, allenfalls Nebenrollen zu. Aber das wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

20.05 Uhr. Hans-Georg Felder springt auf. Chelsea führt, und was der Pressesprecher auf dem Bildschirm sieht, ist schlimmer: 1:0 für Mailand. Felder informiert Röber, und dann die Fans. Hertha ist zu diesem Zeitpunkt aus der Champions League ausgeschieden. Fünf Minuten später ruft der junge Preetz-Fan seinen Kameraden aufgeregt zu: "1:0, Mailand."

20.12 Uhr. Felder springt wieder auf, dreht sich um, und reckt beide Daumen in die Höhe. Ausgleich in Istanbul, 1:1, Hertha ist wieder drin. Felder steigt über die beiden Stuhlreihen vor ihm, klopft Hoeneß auf die Schulter und überbringt die frohe Kunde. Der junge Preetz-Fan ist ganz aufgeregt: "1:1, Mailand", ruft er. Seine Freunde verstanden schneller. "Is-tan-bul, Is-tan-bul", schreien sie. Chelsea schießt das zweite Tor.

20.51 Uhr. Felder steht hinter der Plexi-Glasscheibe und haut wild dagegen. Niemand hört ihn, weil Sebastian Deisler gerade den Pfosten traf. Erst als sich die Emotionen beruhigt haben, bemerkt Hoeneß seinen Pressesprecher. "2:1 für Mailand", meldet Felder betrübt. Hertha wieder draußen. Röber schüttelt den Kopf. Zehn Minuten später, der Preetz-Fan aufgeregt: "Milan führt". "Ja, Ja", antworten seine Freunde genervt.

21.27 Uhr. Felder reißt die Hände aus der Hosentasche und ballt sie zu Fäusten. Manager Hoeneß begreift sofort und trommelt wie wild auf die Plexiglashaube. Jetzt verstehen auch die Ersatzspieler: 2:2 in Mailand. Alle blicken zum jubelnden Felder, keiner kümmert sich um das laufende Spiel. Hertha wieder drin.

21.30 Uhr. "Elfmeter", schreit Felder. Andreas Thom springt über die Bande und setzt sich neben Felder vor den Monitor. Röber und Hoeneß sehen fragend ihren Pressesprecher an. Der junge Preetz-Fan ist außer sich vor Spannung: "3:2 für Istanbul?" Eine Minute später liegen sich Thom und Felder in den Armen. 3:2 für Istanbul.

22.25 Uhr, Ortszeit London. Hans-Georg Felder blickt seinen Gesprächspartner ein wenig verstört an. Dieser hatte ihn gefragt, ob er denn überhaupt etwas von der Gelb-Roten Karte in der Schlussminute des Spiels mitbekommen habe. Felder fragt den Frager ungläubig: "Für uns?"

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